Zucker

Was wollte ich noch gleich?

Eben setzte ich mich an den Computer, um einen neuen Artikel zu schreiben. Die Idee kletterte mit mir aus dem Bett, war sauber im Kopf ausgearbeitet, dann kam ein bisschen Haushalt dazwischen. Und schon wusste ich nicht mehr, was ich schreiben wollte.

Schnappe ich mir also ein neues Thema, es schlendert ja so einladend vorbei: Vergesslichkeit. Die kennen wir alle und leben damit je nach persönlicher Veranlagung im Spannungsfeld zwischen Schulterzucken und Schuldgefühl.

Mir zum Beispiel fällt das Erinnern von Namen schwer. Probleme machte das erstmals, als ich Teenager war. Ich traf auf der Straße einen Jungen, mit dem ich 2, 3 Wochen lang „gegangen“ war. Also, Händchen halten und im Jugendzentrum beim Billard die Bande nutzen lernen. Nichts Weltbewegendes. Er stellte sich schnell als Langweiler heraus, das war das Ende. Besagte 3 Wochen später war mir sein Name entfallen. Ich hatte ihn komplett von meiner Festplatte gelöscht.

Ähnliches ist mir wieder und wieder passiert, was in meinem Beruf peinlich werden kann. Warum einige Menschen bestimmte Dinge schneller vergessen als andere, hat mich deshalb immer beschäftigt. Zum Glück geht es der Gehirnforschung wie mir.
Die deshalb längst weiß, dass Zucker die Gedächtnisleistung stark beeinträchtigt. Ach, unser Gehirn geradezu schrumpfen lässt! Was der Neurologe David Perlmutter völlig richtig kommentiert: Wenn es ums Gehirn geht, macht Größe sehr wohl einen Unterschied! Aha, das wäre ein Anhaltspunkt: Ich bin seit meiner frühesten Kindheit ein Zucker-Junkie.

Doch: flackert da vielleicht ein Licht am Ende des Merken-Tunnels? Kakao, wie er in meiner geliebten dunklen Schokolade vorkommt, stimuliert Studien zufolge offenbar eben jene Hirnregion, in der die Erinnerung stattfindet! Leider, leider werden solche Studien nicht sauber genug durchgeführt, als dass ich mir umgehend einen die Erinnerung vermeintlich pushenden Schoko-Vorrat anlegen dürfte.

Denn fände die Kakao-verarbeitende Zunft (Nestlé et al, die solche Untersuchungen häufig „unterstützen“) einen sauberen Beleg dafür, dass ihre Schokoriegel Superfood seien … Na dann, gute Nacht, Marie, mit der halbwegs vernünftigen Ernährung. Bei den gängigen Finanzierungspraktiken für eben diese Forschungen fällt besagter Schrumpfeffekt garantiert unter den Tisch. Wo er sich in bester Gesellschaft befindet.

Krank durch Zucker

 

That Sugar Movie

Im Oktober kommt ein Dokumentarfilm in unsere Kinos, der die Auswirkungen von verstecktem Zucker in vermeintlich gesunden Supermarktprodukten auf den Körper eines gesunden Mannes zeigt. Über 3 Monate aß David Garmeau über ausgewählte Produkte jeden Tag den Gegenwert von 40 Teelöffel Zucker – und ließ die offensichtlichen Zucker-Bomben Limonade, Schokolade, Eis und Süßigkeiten dabei bewusst aus. Ich werde für den Berlinale-Beitrag „Voll verzuckert – That Sugar Film“ beste Plätze (ohne Soft Drink und Popcorn-Eimer!) reservieren, für mich und meine Liebsten, die es auch kaum noch ohne Zucker durch den Tag schaffen.

Der Film zeigt zwar vor allem, dass der Regisseur und Hauptdarsteller des dokumentarischen Selbstversuchs in gerade einmal 3 Wochen eine Fettleber entwickelt. Aber ich wette: Hätte er weitere organische Schaltstellen seines Körpers oder die Auswirkungen jenseits von Schlappheit und Unwohlsein stärker in den Fokus gerückt – Vergesslichkeit wäre ebenfalls ein Thema geworden.

Wie aber ersetzen wir alle den in so vielen Lebensmitteln versteckten Zucker – und essen uns wenigstens schrittweise gesünder, schlauer, energiegeladener, merkfähiger?

5 Tipps, wie ihr den Zuckerkonsum reduziert:

1. Schaut bei den Inhaltsangaben von Lebensmittel auf alle Angaben, hinter denen die Lebensmittel eigentlich Zucker versteckt! Dafür wurden inzwischen an die 70 kreativ klingende Namen erfunden …

2. Die Geschmacksnerven schmecken, was sie kennen. Sie sind konditionierbar – lassen sich also umprogrammieren. Was ihr heute noch als verlockend und okay süß schmeckt – kann nach einem längeren Entzug von Zucker und Zucker-„Ersatzsoffen“ als viel zu süß auf euren Zungen wirken. Die US-amerikanische Familie von Eve Ogden Schaub hat ein Jahr lang auf Zucker verzichtet und berichtet davon in Blog und Buch.

3. Lasst euch nicht blenden von Angaben wie „30 Prozent weniger Zucker“ oder „Zuckerreduziert“. In den Produkten dazu steckt nur anders genannter Zucker, meist Glukosesirup, Dextrose, Laktose und Fruktose. Das sind reine Verschleierungs-Tricks der Industrie, weil laut Zutatenverordnung nicht mehr so viel Zucker wie früher in den Nahrungsmitteln erlaubt sind.  Fast noch schlimmer sind synthetische Zuckerstoffe – sie stehen inzwischen unter dem Verdacht, krankheitserregend zu sein und beispielsweise Diabetes sogar zu fördern. Somit gehören sie vor allem nicht in kindliche Verdauungssysteme.

4. Experimentiert beim Kochen und Backen mit Früchten, Gemüse und Kräutern. So süßt zum Beispiel gekochte Zwiebel extrem (wer hätte das gedacht), aber auch Früchte wie klein zerhackte Aprikosen können einen Süßungseffekt erzielen, der viele Speisen erst geschmacklich rund macht. Und auf diesem Blog findet ihr einige Rezepte ohne Zucker.

5. Brot, Nudeln, Reis und weitere Lieferanten von Kohlehydraten verwandelt der Körper beim Verdauen in Zucker. Der Organismus braucht nämlich Energielieferaten – aber in den heute üblichen (versteckten) Mengen auf gar keinen Fall. Sonst geht es euch wie mir – und ihr bekommt trotz angeblicher Energiezufuhr durch „Muntermacher“ eure Arbeit bis zum Abend nur mit Hängen und Würgen …

 




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