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Spaß mit Yoga: Om City und Namasté Bitches

Ich nehme das Leben nicht gern ernster, als es ist. Deshalb freue ich mich, wenn auch mein geliebtes Yoga sein wahres Gesicht zeigen darf. Denn ja, schlechte Laune, Zickenkrieg, Absturz, Egomanie, aber auch Albernheit, Gekicher und all die anderen profanen Facetten des Menschseins sind im Yoga zuhause. Es sei denn, wir reden von zurückgezogen praktizierenden Eremiten in der indischen Berghöhle.

Heilig ist hier im Westen nämlich niemand, und durch sportliches Stehen auf einem Arm oder Lächeln mit geschlossenen Augen und den Füßen hinter dem Kopf wird auch niemand zum garantiert besseren Menschen.

Während viele aus gutem Grund redlich versuchen, die Abgründe ihres Verhaltens und Denkens zu erkennen, indem sie Yoga praktizieren und dabei auch die spirituelle Seite dieser Lehre ausloten, plädiere ich stets auch dafür, den Spaß an der Sache beim Yoga nicht aus den Augen zu verlieren. Davon haben Erwachsene sowieso zu wenig.

Beispiel gefällig? Neulich morgens in der S-Bahn, Berufsfahrerzeit, alle schweigsam in Smartphones und Zeitungen vertieft, entert ein kleine Horde Grundschüler auf einem Ausflug das volle Abteil. Sofort ist fröhliche Lautstärke, Gekicher, einige Kinder fangen zu singen an, alle strahlen die ungebändigte Lust auf Leben aus – herzerwärmend vorbildlich. Dann steigen sie aus.

Stille. Langweile. Zurückgezogenheit. Grau. Freudlosigkeit kehrt zurück in unser Grüppchen unfreiwillig gemeinsam Kurzreisender. Plötzlich fühlt sich Erwachsensein an wie ein langer, dunkler Tunnel des Aufgebens und der Anpassung. Als würden wir schon mit dem kleinen Sterben anfangen, Jahrzehnte bevor es an der Zeit ist.

War das unsere Idee von Zukunft, als wir selber noch Kinder waren? Als wir es kaum erwarten konnten, schnell älter zu werden, um alles Mögliche zu dürfen? Wohl kaum. Doch aus den unendlichen Möglichkeiten glaubten wir sehr schnell, wenige machen zu müssen. Das nennt sich dann Karriere.

Inzwischen mache ich es mir immer wieder zur persönlichen Aufgabe, das Leben von seiner leichten Seite zu nehmen. Als ein Experiment. Das selbstverständlich auch schief gehen darf. Dann probiere ich eben etwas anderes.

Bullshit-Bingo aus dem Sanskrit-Katalog

Einen ähnlichen Lebensentwurf („Mal sehen, ob was draus wird“) verfolgt die Hauptfigur in der US-amerikanischen Web-TV-Serie „Namasté, Bitches“. Sabine kommt als Yogalehrerin aus New York nach L.A. und sucht dort nach einem neuen Anfang. Bei Namaste Yoga darf sie auf einen festen bezahlten Unterrichts-Slot hoffen, falls sie in 5 Wochen Unterricht eine eigene Gruppe zusammenbekommt. Und natürlich erleben wir über die 6 bisherigen Folgen die ganze „dark side“ des Yogageschäfts: Konkurrenzdenken, Neid, Intrigen. Job ist Job, schlechter Charakter bleibt schlechter Charakter, ob mit oder ohne Mudra-Schule.

Man kann Yoga aus so vielen verkehrten Gründen machen – und sich in Instagram verlieren, Yogahosen wichtiger finden als die spirituellen Aspekte oder eine gesunde Asana-Übungsweise … und auch vor einer Party mit Koks-Einlage macht die Serie nicht halt, weil das hippe Saftfasten den Lehrerinnen gerade den Alkohol verbietet.

Summer Chastant ist Hauptdarstellerin, Autorin und Erfinderin dieser knapp 5-minütigen Episoden. Sie wirft ein gutmütiges Licht die Alltäglichkeit und auch Heuchelei der Business-Welt im Yoga – teilweise schockiert uns das, teilweise ist es einfach nur komisch.

Ich habe mir die 6 bisherigen Episoden jedenfalls mit großem Vergnügen und in einem Rutsch aus Chastants Vimeo-Kanal gegönnt. Das Ganze ist ein bisschen wie „Girls“, nur mit Yogamatte und Bullshit-Bingo aus dem Sanskrit-Katalog.

Eine zweite Yoga-Serie, die es mit der Heiligkeit nicht besonders Ernst nimmt, ist „Om City“.  7 Kurzfolgen lang gehen wir die Wege von Jessie Barr als Grace mit, die zum Beispiel in Folge 1 vom Studiobetreiber gebeten wird, den „Hindu-Kram“ doch einfach mal wegzulassen. Oder die OMs. „Wie wäre es mit einem stummen Om“, fragt er Grace, „kannst du das vielleicht machen?“ – „“Wie klingt ein stummes Om“, fragt sie. Er starrt sie an, sie fragt dann „Machst du das gerade?“, wozu er nickt und sie sagt: „Oh, das ist wirklich sehr mächtig!“

Grace erlebt Scheidenfurze und Gefühlszusammenbrüche im Unterricht, halbnackte Annährungsversuche bei Privatstunden, Dating-Disasters – und bleibt trotz der permanenten Ansagen ihres Chefs, mehr Business und weniger Spirit ins Yogastudio zu bringen, grundsätzlich ihrem Traum treu und freut sich auf eine nächste Lehrerausbildung beim Yoga-Star Elena Bower.

Jessie Barr ist ebenfalls Yogalehrerin sowie Schauspielerin und hat diese charmante Serie mit ihrem Regie führenden Ehemann Tom O’Brien erfunden. Ich bin sehr gespannt, ab wann mit neuen Folgen zu rechnen ist.

Aber da sich Netflix inzwischen Indie-Video-Produktionen annähert, hoffe ich sogar heimlich auf mehr: Echte Serien aus der Yogawelt, mit schillernden Charakteren und mindestens 30-minütigen Folgen.

Und wer weiß: Vielleicht bekommen ja auch einmal deutsche Drehbuchautoren/Yogis den Dreh raus und springen auf diesen Entertainment-Zug jenseits der Öffentlich-Rechtlichen Langweile.

Bislang können wir uns mit Nikes erster eigener Sport-YouTube-Serie amüsieren, die zumindest schon deutsch untertitelt wurde: „Margot vs. Lily“check it out …




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