Gesunde_Zähne_Xylit

Xylit schlägt Zahnbakterien ein Schnippchen

Manche Wege kann ich gar nicht langsam genug gehen. Den zum Zahnarzt, zum Beispiel. Sobald die jährliche Kontrolluntersuchung ansteht, trödele ich wie eine Dreijährige, die befürchtet, dass man ihr am Ort des Geschehens den Teddy klaut.

Denn so gut ich meine Zähne pflege: Irgendeine kleine Baustelle gab es immer. Kein Wunder, dass ich hellhörig wurde, als mir Berichte über den vermeintlich wundersamen „Karies-Killer“ Xylit (Xylitol) unterkamen.

Und wer hat’s erkannt? Die Finnen.

Xylit, das auch in diversen Zahnpflegekaugummis verwendet wird, soll wahre Zauberdinge vollbringen können, was die Zahngesundheit angeht. Erstaunlicherweise handelt es sich bei diesem Zuckeraustauschstoff nicht um eine Neuentdeckung. Seine antikariogene Wirkung ist seit den 1970er Jahren bekannt.

Zu verdanken haben wir das den Finnen und ihrer „Turku-Zuckerstudie“ (1972 bis 1975). Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass Xylit kariesreduzierend wirkt, was vermutlich daran liegt, dass die Kariesbakterien den Zuckeraustauschstoff nicht verstoffwechseln können. Ihnen wird quasi die „Ernährungsgrundlage“ entzogen.

Zudem glättet die Verwendung von Xylit die Zahnoberfläche, die „Bakteriennahrung“ Plaque findet am Zahn keinen Halt mehr, die Kariesbakterien hungern also buchstäblich aus. Mittlerweile belegen an die 300 Studien den kariesreduzierenden Effekt von Xylit. Als Kariesprophylaxe gilt laut der Studie eine Menge von 5-10 Gramm Xylit pro Tag – eingenommen in mehreren Tagesportionen – als ideale Dosis.

Zudem soll Xylit laut Hersteller des auf Xylit basierenden Zuckeraustauschstoff Xucker die Zahnsubstanz remineralisieren können. Auf der Website heißt es dazu:

„Löst es [Xucker] sich im Mund auf, fördert es die Speichel-Bildung. Speichel enthält viel Calciumphosphat, welches für die Bildung und Härtung des Zahnschmelz verantwortlich ist. In Verbindung mit Xylit wird die Einlagerung von Mineralien in den Zahnschmelz gefördert.“

Nachvollziehbar, dass ein Hersteller seinem Produkt eine rundweg überzeugende Wirkung zuschreibt. Doch was ist dran an den Versprechungen? Ich habe es ausprobiert.

Nie wieder Zähneputzen?

Nein! Auch wenn derartige Vorschläge durch verschiedene Foren geistern. Zähne gehören weiterhin geputzt, mindestens 2 Mal am Tag für 2, besser 3 Minuten. Xylit ersetzt weder Paste noch Putzen oder gar die zahngesunde Ernährung. Es wird einfach nur ein Bestandteil der täglichen Mundhygiene. Bei mir sah das wie folgt aus:

  • Zähneputzen wie üblich, täglich Zahnseide anwenden, Zungenreiniger benutzen.
  • Nach jedem Essen ½ Teelöffel Xylit im Mund zergehen lassen und es dann für min. 1 Minute wie ein normales Mundwasser verwenden.
  • Alternativ für unterwegs: xylithaltige Zahnpflegekaugummis im Gepäck haben. Oder besser: im Mund.

Das Resultat: Seit drei Jahren ist Xylit (als Xucker und als xylithaltiges Mundwasser) fester Bestandteil meines Mundpflegerituals. Zweimal hieß es bei der Kontrolluntersuchung seither: „Danke, das war’s. Wir sehen uns im nächsten Jahr.“

Im Frühling steht die nächste Kontrolle an. Und ich weiß jetzt schon, dass ich so widerwillig dahin trotten werde wie eh und je. Denn eines schafft Xylit nicht: mir den Zahnarztbesuch schmackhafter zu machen. Aber wenn es das könnte, wäre es tatsächlich ein Wundermittel.

Und was ist mit Kindern?

Xylit gehört in Finnland zum staatlichen Kariesprophylaxe-Programm! Kinder bekommen in den Kitas und Schulen nach jedem Essen einen Xylit-Kaugummi.
Schon 1972 bis 1975 konnten zwei klinische Studien an der Universität Turku eine Reduktion von Karies um bis zu 90 % belegen! Auch Zahnbeläge, Parodontose, Zahnsteinbildung gingen massiv zurück.

Xylit: Kein Freifahrtschein für Naschkatzen

Klingt alles fantastisch? In der Tat. Und es wird noch besser.

Xylit süßt nämlich ebenso wie Haushaltszucker, aber mit 40 Prozent weniger Kalorien. Darüber hinaus wird es insulinunabhängig verstoffwechselt und ist somit für Diabetiker interessant.

Folglich gibt es bereits diverse mit dem Zuckeraustauschstoff angereicherte Naschereien, von Schokolade über Brotaufstriche bis Trinkschokolade. Weil wir aber nicht im Schlaraffenland sind, sollten Dauernaschorgien trotzdem unterbleiben.

Im Übermaß verzehrt (ab 70 g / Tag) kann Xylit abführend wirken oder zu Blähungen oder Durchfall führen. Eine andere Quelle weist darauf hin, dass der Langzeitverzehr aller Zuckeraustauschstoffe (inklusive Xylit) bei mehr als 50 g / Tag zu Problemen mit erhöhten Harnsäurewerten, Nierensteinen oder Leberkomplikationen führen kann.

Seht Xylit daher also am besten als tolle Möglichkeit, eure Zahngesundheit zu pushen. Und nicht als eierlegende Wollmilchsau für Zahnschweinchen und Bonbon-Junkies.

Wichtig: Falls ihr Haustiere habt, gehört Xylit in jeder Form – also auch als Häppchen, das der Hund vom Teller mopsen könnte – unter Verschluss! Schon kleinste Dosen können bei Kaninchen oder Hunden zu einer lebensbedrohlichen Unterzuckerung oder (bei Hunden) zu Leberschädigungen führen!

Bitte beachtet: Xylit ist lediglich eine Ergänzung der täglichen Mundhygiene, nicht ihr Ersatz. Es kann die Konsequenzen eines dauerhaft zahnschädlichen Verhaltens weder verhindern noch ausbügeln.

Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Er dient ausschließlich der Information und ersetzt in keinem Fall eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen Arzt und ist keinesfalls als Diagnose- oder Therapieanweisungen zu verstehen.

 




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