Wohnwagon_Trend

Wohntrend: klein, fein, mein Tiny House

Update 2019: Das Eigenheim war in unseren Elterngenerationen eine feste Größe des Lebensentwurfs. Für Menschen von heute hat das Wohnmodell jedoch weitgehend ausgedient. Was in den letzten Jahrzehnten noch als Schritt XY auf dem Weg zum gesellschaftlich vollwertigen Erwachsenen galt, ist für die meisten inzwischen nicht mehr erschwinglich.

Hohe Grundstückspreise, lebenslange Kreditlaufzeiten in wirtschaftlich unsicheren Zeiten, wechselnde Arbeitsplätze und Karrieren, Aufweichung des Kündigungssschutzes – wer sich in diesem Setting an existentielle Verbindlichkeiten wie eine Eigenheim-Finanzierung kettet, hat entweder entspannt geerbt, viel Mut, ist überbordend optimistisch veranlagt oder schlicht realitätsfremd.

Aber muss es denn gleich ein Eigenheim sein? Ich zum Beispiel bin glückliche Mieterin und habe mein hart verdientes Erspartes risikoarm anlegt. Denn ich gedenke meine Jahrzehnte nach der Kinderaufzucht freier zu verbringen. Autarker, mobiler, ungebundener.

Zutaten für persönliches Ausstiegsszenario:

  • 1 erschlossenes Grundstück in einem Land mit angenehmen Klima
  • Wlan
  • 1 supermoderne (gern mobile) Schlaf-, Ess- und Arbeitsstätte
  • 1 hochgradig inspirierende Aussicht

Offensichtlich ist vor allem Punkt 3 in Architektur-Schmieden weltweit in der Vorbereitung. Wie es aussieht, bin ich voll im neuen Wohntrend (oder er befriedigt meine Träume). Ich muss mich nur noch entscheiden, welche Art von Unterkunft mir am meisten zusagt. Und welchen Komfort ich mir leisten möchte.

Aus den USA kommend, hat die sogenannte „Tiny House“ (Kleinst-Häuser) -Bewegung längst auch uns Europäer ergriffen. Hier geht es darum, mit weniger Raum, aber selbstbestimmter, finanziell vernünftiger sowie oft naturnah und nachhaltiger leben zu wollen.

Auch in dem von wirtschaftlichen Problemen gebeutelten „land of the free“ ist das Hausbauen nicht mehr wie vor der Finanzkrise möglich. Das führte zur Idee, zwar immer noch ein eigenes Dach über dem Kopf haben zu wollen. Aber nicht mehr 4 Schlafzimmer, 3 Bäder plus Doppelgarage abzuzahlen. Tiny Homes für 2000 € sind aber doch eher was für Prahler und Träumer – allein das Material wäre damit nicht bezahlt. Die Zeit oder die gekaufte Zeit etc. etc – all das sollte man im Vorwege einer Planung ebenso gut durchrechnen, als wollte man ein „echtes“ Haus bauen.

Realistisch gesehen kommt man mit extrem viel eigener Arbeit nicht unter 10.000 €, bei Kauf fertiger Einheiten eher ab 50.000 bis 80.000 Euro aus der Rechnung.

In 1 US-Eigenheim passen zirka 11 Tiny Houses

Das Kleinsthaus oder Mini-Kaus bietet durchschnittlich zirka 17 Quadratmeter Wohnfläche. Das heißt, in ein typisches amerikanisches Wohnhaus passen rund 11 davon. Hier seht ihr, wo in Europa und den USA überall inzwischen Tiny Houses stehen oder gebaut werden.

Viele Häuschen-Modelle sind so konstruiert, dass ihr sie wie einen Wohnwagen aufstellen könnt. Wo und zu welchen Bedingungen, wird in Deutschland ebenso wie in anderen Ländern selbstverständlich reglementiert. Auch das Aufstellen auf einem eigenen Grundstück verlangt die Einhaltung gewisser Abwasser- und Entsorgungs-Bestimmungen. Ihr könnt euch in entsprechenden Foren hervorragend informieren und mit anderen Gleichgesinnten austauschen.

Interessant sind übrigens die Fakten, die es zu dieser Bewegung in den USA inzwischen gibt. So wohnen mehr Frauen als Männer in Tiny Houses, ihr Bildungsgrad ist überdurchschnittlich, die meisten von ihnen besitzen doppelt so viel Erspartes wie der Rest-Amerikaner, 65 % sind komplett schuldenfrei – und 2 von 5 Bewohnern über 50 Jahre alt. Und – sie sind in der Regel glücklicher, häufen nicht unnützes Zeug an, leben naturnaher … Folgerichtig werden es immer mehr Tiny-Home-Bewohner, wie auch dieser 2019-aktuelle (englischsprachige) Beitrag aufführt!

Mein Traum von Später

Ich persönlich kann mich ja sehr für das Modell Zirkuswagen 2.0 begeistern. In ein paar Jahren, sobald meine Familie so weit ist, erwarte ich noch einiges an Design- und Technik-Updates. Hätte ich aktuell die Gelegenheit, wäre der Wohnwagon meine erste Wahl (die Außenansicht seht ihr im Beitrags-Bild).

Wohnwagon-innen_ginger

Dieses serienreife Luxus-Geschoss von Klein-Wohnstätte kommt aus Österreich. Der Wohnwagon mit 25 qm Wohnfläche ist in Sachen Energieversorgung völlig unabhängig (dank eigener Photovoltaikanlage, Bio-Toilette und einer Wasseraufbereitungsanlage) und kann vielen individuellen Bedürfnissen angepasst werden. Brauche ich also mehr als die Solarstromversorgung für 2 Laptops, Wlan-Router, Waschmaschine und Pumpe etc., liefert das Start-up-Unternehmerpaar auch speziell Gewünschtes. Großartig finde ich zum Beispiel, dass die Warmwassererzeugung unter der schicken Badeinheit zugleich als Fußbodenheizung dient!

Die Kosten für dieses Wohnnomaden-Schmuckstück liegen in der Standardvariante um die 54.000 €. Wünscht ihr mehr (Veranda, zweite Schlafeinheit, mehr Solar-Power), steuert ihr in Richtung 90.000 €. Bestellungen nimmt das Team gern entgegen, ihr könnt es auf der Homepage nach euren Vorstellungen konfigurieren

Weniger geht aber immer. Sogar ohne auf die Annehmlichkeiten des modernen Lebens verzichten zu müssen.

Ecocapsule_Wohnei

Wie wäre es zum Beispiel mit obigem Kraftei?! Erdacht hat die „Ecocapsule“ das Architekten-Team Nice Architects aus dem slowenischen Bratislawa. Für ca. 80.000 € bietet es bei niedrigstem Batterie-Energieverbrauch ein Bett für 2, fließend Wasser und eine kleine Küchenzeile. Es passt in einen Schiffscontainer oder auf einen Anhänger, könnte aber auch von Lasttieren durch die Wildnis gezogen werden.

Flüchtlings-Zelte

Die Zunahme von Flüchtlingslagern weltweit löst bei Designern und Architekten aber auch die Frage aus, wie sie mit intelligenteren Behausungen ein würdigeres Leben in den Zufluchtslagern unterstützen könnten. Zum Beispiel hat der jordanisch-kanadische Designer Abeer Seilaky seine „Mobile Shelters“ aus einem Material erdacht, das die Sonne als Energielieferanten nutzt, während es zugleich ein schnelles und leichteres Auf- und Abbauen ermöglicht. Seine Zelte können nach Naturkatastrophen oder in Kriegszeiten schnell aufgebaut und bewohnbar gemacht werden.

Update am 16. 7. 2015: Die Universität Weimar hat sich mit diesem Prototypen einer Wohnstätte auf gerade einmal 10 Quadratmeter ebenfalls auf sehr ansprechende Weise dem Thema gewidmet.




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