Sterne

Heroes: Wer und was uns wirklich bewegt

Die Welt trauert um David Bowie. Ein Mensch, den ein verschwindend geringer Bruchteil aller Kondolierenden je persönlich getroffen hat, hat dafür gesorgt, dass andere Nachrichten als sein Abgang von der Weltbühne in den Hintergrund treten. Die Uhren schienen für einen Moment stillzustehen um Kriege, Krisen, Globalpolitik – weil ein Popstar verstarb und Unzählige ihm eine letzte Ehre erweisen wollten.

An Tag 2 nach Bekanntwerden seines Todes saß ich vor meinem Monitorfenster in die Außenwelt und bezeugte dieses Phänomen über Facebook, Instagram, Nachrichtenseiten. Und freute mich. Denn es beweist: Trotz allem Selbstinszenierungswahn, entgegen unserer vermeintlichen Abgestumpftheit gegenüber anderen erkennen wir dennoch jederzeit jene besonderen Menschen, die uns tiefer berühren.

Intensiver, als es ihnen und uns bewusst ist, so scheint es. Denn viele der sich offenbarenden Fans haben möglicherweise lange nicht an David Bowie gedacht. Haben sein 25. und letztes Album „Blackstar“ eventuell weder gehört noch gekauft. Was sich ändern wird. Die Verkaufszahlen für das letzte Vermächtnis Bowies an seine Fans dürften explodieren.

Verbundenheit ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft. Auch wenn wir sie heute anders ausleben und erleben als früher. Wir kommunizieren mit Freunden eher durch die (vermeintlich) distanzierte Nutzung von Social-Media-Kanälen  als durch spontane Besuche.

In dem Moment, wo etwas Größeres passiert, kommen wir dennoch zusammen, physisch, als Gemeinschaft. Dann singen junge Menschen der Generation Smartphone, die David Bowie wahrscheinlich niemals live erlebt haben, an seinem Geburtsort in Südlondon stundenlang seine Lieder.

Das stärkt meine Zuversicht. Die hat durchaus ihre schwachen Momente in Zeiten weltweit sich ausbreitender Kriege, religiöser und politischer Spannungen, angesichts Millionen verzweifelter Flüchtlinge, angespannter wirtschaftlicher Situation und wachsendem Dumpfnationalismus.

Während die Kulturredaktion beim „Spiegel“ brav alles kuratiert, was man vermeintlich von Bowie kennen und über seine Freundschaften wissen sollte, stelle ich mir vor allem Fragen:

Wusste David Robert Jones, wie viel Platz er in den Herzen Abertausender hatte? Ist das überhaupt wichtig; hätte das Wissen darum sein Leben um einen Deut geändert? Wer sonst existiert auf  diesem Planeten, dem wir uns derart verbunden fühlen? Nehmen wir aus dem Leben dieser Ausnahme-Persönlichkeiten etwas darüber mit, wir wir unser eigenes Dasein anders, schöner, aufregender, – kurz: lebenswerter machen könnten?

Denn nur das wäre konsequent: einem Idol, dem Vorbild zu folgen. Niemand muss und wird ein neuer Starman, Heroe, Ziggy Stardust werden. Aber schon ein Fitzelchen mehr Mut und weniger Kontrolliertheit; ein Quentchen mehr an Gelassenheit und hemmungsloser Lebensverliebtheit macht einen gewaltigen Unterschied.

Charisma, das wir oft anderen attestieren, schlummert nämlich in jedem von uns. Nur der Glauben daran (und an uns selbst) wird uns gern und früh aberzogen. Und ersetzt durch Glaubenssätze, die anderen und anderen Zielen dienen als unserer Selbstverwirklichung. Von der Vorschule bis zum Assessment Center: Stromlinie, wohin das Auge blickt.

Bowies Leben und das aller, die sich dafür entscheiden, dem eigenen Herzen zu folgen, statt die eigene Karre auf den vermeintlich bequemen Highways des Daseins zu stellen, gibt uns dagegen die Message: Macht euer eigenes Ding. Hinterlasst Spuren, wo nicht schon alles niedergetreten wurde. Ihr seid der Nabel eurer Welt, nur vor euch selbst verantwortlich, wenn ihr am Ende eurer Tage zurückblickt.

Sagt ihr dann mit einem Lächeln in den Augen: Es war eine Wahnsinns-Fahrt – dann habt ihr eure einzigartige irdische Existenz Leben an Bord eures besten eigenen Star Shuttles erlebt.

Und das Schönste: Ihr nehmt viele andere mit, meist ohne es zu bemerken. You can be heroes.

 




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