Hass_ist_keine_Lösung

Es wird Zeit, Haltung zu zeigen

Ich mache mir Sorgen. Um ein Land, dass derart reich, sicher und offensichtlich satt ist, dass Millionen seiner Bewohner nicht einmal mehr erkennen, wie brandgefährlich es ist, die unzähligen Errungenschaften ihrer friedlichen Demokratie aufs Spiel zu setzen.

Bewohner, die nicht zu verstehen scheinen, wie viel Anstrengung, Weitsicht, Krisen, Kompromisse, Lernfähigkeit und Toleranz es gekostet hat, sich über die dumpfe Mental-Steinzeit zu erheben, die jeder totalitären Regierungsform innewohnt. In die wir uns aber zurückbewegen werden, sofern wir den populistischen „Vaterlands“-Paroleuren vom rechten Rand nicht mit mindestens gleich lauter Stimme antworten.

Was uns GINGERs auf dieser zugegeben kleinen Meinungs-Plattform umtreibt – ein gesünderes, harmonischeres, selbstbestimmtes, erfüllteres Leben –, hat seine Berechtigung und ist schön und richtig. Aber diese Inhalte dürfen auf keinen Fall ablenken von den aktuell viel dringlicheren Nachrichten und Entwicklungen.

Wir verstehen das Leben als Flow? Dann müssen wir akzeptieren, dass niemals etwas bleibt, wie es einmal war. Dass Veränderungen immer auch Chancen bedeuten. Dass Herausforderungen zu jeder Weiterentwicklung dazugehören.

Und dass der Ruf nach einem oder einer, die Was-auch-Immer für uns richten solle, stets aus Angst, Unwissenheit, Verwirrung und Intoleranz entsteht. Aus dieser Saat werden sich aber nur die entsprechenden Früchte ernten lassen: mehr Angst, mehr Dummheit, mehr Intoleranz.

Plötzlich müssen wir ernsthaft „mehr Demokratie wagen“, um eine zu bleiben? Das ist definitiv kein Lebensentwurf, für den ich stehen kann und den ich meinem Kind später erklären müssen möchte. Daher nutze auch ich das bisschen Öffentlichkeit, das GINGER mir und uns allen bietet, um in das „Wehret den Anfängen“-Horn zu stoßen. Und verweise hier auf einen sehr gut formulierten Blog-Beitrag zum Thema, ich hätte es niemals besser auf den Punkt bringen können.

„Es gibt ein bürgerliches Realitätsakzeptanzproblem. Weil man einfach nicht glauben will, dass es tatsächlich Menschen mit bürgerlichem Auftreten geben könnte, Menschen aus dem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis gar, die ernsthaft die Errungenschaften der liberalen Demokratie in Frage stellen würden.“

Auch diese jüngere Bloggerin nutzt ihre Stimme, um sich gegen Rassismus und Grausamkeit auszusprechen – und macht damit offensichtlich vielen Lesern Mut, die sich ohnmächtig zu fühlen scheinen. Nicht gegenüber den Flüchtlingen, die zu Recht ihre zerstörten Länder auf der Suche nach einem lebenswerten Dasein verlassen und sich mit so erstaunlich viel Kraft an jede Hoffnung klammern.

Sondern ohnmächtig gegenüber der tumben Aggressivität der Rechten, jenes offensichtlich den Verstand lähmende Gedankengift, das aus den braunen Sümpfen Europas aufsteigt und jene benebelt, die vor allem von Kleingeist, Mutlosigkeit und Ohnmacht auf die Straßen und an die Stammtische getrieben werden.

Ich habe früher meine Eltern und vor allem Großeltern gefragt, warum niemand aufgestanden ist, warum angeblich plötzlich alles so verfahren nationalsozialistisch war, dass jeder, der seine Stimme noch hörbar machen wollte, um sein leben fürchten musste. Und deshalb alle schwiegen, wegschauten, ausblendeten. Sie hatten keine Antwort.

Meine Antwort ist: Sie haben das Problem zu lange ignoriert. Wollten sich nicht mit diesem Abschaum auseinandersetzen. Sie alle dachten, sie hätten etwas zu verlieren, also riskierten sie nichts.

Und dann haben sie alles verloren.

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Also: Macht den Mund auf, wo immer es geht, überlasst euer Leben, eure Freiheit nicht denen, die am Ende sowieso nur an sich denken – und garantiert nicht an irgendein „Volk“. Ich habe kein „Vaterland“, in so kleinen Dimensionen denke ich nicht. Ich lebe auf Mother Earth. Und die hat schon genug Kummer, auch ohne deutsche und europäische Nazis, Rassisten, Brandstifter und Mörder.




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