Sinead_Nothing-Compares_Liebskummer

Liebeskummer – und was ihr Schönes daraus machen könnt

Ach ja. Diesen Elendszirkus kennt jede und jeder. Ich kann ja nicht für Männer und deren Umgang mit einem Liebes-Exitus sprechen (hatte oft den Eindruck, viel Promille und noch mehr junges Unbekanntes wären da die probaten Manöver, aber ich KÖNNTE mich irren). Aber was mir als Frau alles so an Liebeskummer-Strategien eingefallen ist, um mir an das Ende des Jammertal-Tunnels ein Licht zu basteln, teile ich an dieser Stelle sehr gern mit euch.

Phase 1. Die Welt bricht zusammen

Für diesen ersten Moment kann ich als wahre Liebeskummer-Connaisseuse nur sagen: Schließt euch ein. Brecht alle Kommunikation mit der Außenwelt ab, die nicht zwingend nötig ist (Job etc,) – bis auf eine Person. Die muss tränensturmerprobt sein und euch im Notfall mit Gewalt davon anhalten, den Ex anzurufen. Bringt nichts, dehnt das Leiden sinnlos aus wie ein alter Kaugummi und hinterlässt einen schalen Nachgeschmack von Selbstpeinlichkeit. Aber egal – man ist ja eh am Boden.

Na gut. Einmal anrufen ist okay. Windet er sich in dabei Sätzen wie „Natürlich tut es mir auch weh, aber …“ oder „Doch, ich finde, du bist eine tolle Frau, es liegt an mir“ und ähnliches Feigheits-Gefiedel – vergesst es.

Es tut mir leid, es war ein Fehler, bitte verzeih mir: Das meint er nur, wenn er das auch ganz genau so sagt.

Was ihr für diese Phase braucht:

1 beste Freundin. Jammerbelastbar und Kummererprobt.

1 Großpackung Kosmetiktücher. Selbsterklärend.

1 Netflix-Abo. Zum Schlaflosenächte-Totschlagen.

Doppelt Feuchtigkeitscreme. Wenn eins NICHT ok ist, dann wegen der Tränen um einen Mann optisch zu verschrumpeln.

Kein Alkohol! Alkohol triggert Botenstoffe im Gehirn, die auch bei Depression ausgeschüttet werden. Kummer-Rotwein bewirkt also einen zusätzlichen Katzenjammer. Elendsverstärkung braucht jetzt kein Mensch.

Jede Menge Liebeskummersongs. Das Mitschluchzen schwemmt euren Blues richtig prima aus dem System! Ein Melancholie-Klassiker für den Anfang:

Phase 2: Wollt ihr die totale Wut? Aber sicher!

Versiegen langsam die Trauertränen, melden sich direkt die Nachbarn auf der Gefühlsklaviatur: Zorn (wie konnte er mir das antun!), Verachtung (der hat mich sowieso nicht verdient), Stolz (davon lasse ich mich nicht unterkriegen).

Dieser Gefühlestau soll sich gern ein paar nützliche Auswege suchen – idealer Weise investiert ihr die Power dahinter für irgend etwas Sportliches. Kickboxen. Oder Parcouring. Das powert schön aus, schlägt Stunden tot, in denen ihr sonst sinnlos an die Jahre mit dem Ex / die Zeit des Ex mit seiner Neuen / die Zukunft ohne den Ex gedacht hättet.

Außerdem macht Sport euch schöner, zufriedener – und ihr lernt dabei gleich ein paar nette neue Menschen kennen!

Bedankt euch nach ein paar Wochen Training also gern beim Ex (energetisch, versteht sich, nicht wortwörtlich) dafür, dass die Trennung euch zu einer besseren Figur und neuen Bewunderern verholfen hat.

Nach dem Training seid ihr in der Regel zu müde, um noch lange herumzuheulen. Falls doch noch ein Rest Selbstmitleid irgendwo herumlungert: Ihr habt immer noch eure Beste Freundin, die sicher ein paar Anrufe oder Nächte länger an eurer Seite bleibt.

Phase 3: Abstand ist die beste Medizin

Aus langer Erfahrung mit Liebeskummer glaube ich nicht an einen Buchstaben aus dem Satz: Wer vor Problemen wegfährt, nimmt sie nur an einen anderen Ort mit. Das kann nur jemand behaupten, der von Reisen keine Ahnung hat.

Im Gegenteil. Mein Tipp spätestens in dieser Phase lautet: Fliegt richtig weit weg. Und bleibt so lange wie möglich. Erlebt, wie viel kleiner von dort aus die Probleme eures Lebens daheim aussehen. Alles relativiert sich. Zusätzlich erlebt ihr schöne neue Dinge, andere Menschen – das ist nicht nur Ablenkung, sondern auch ein ganz großes Stück Problembewältigung.

Das Plus: Ihr erweitert euren Horizont, fügt dem Erlebnis-Schatzkästchen eures Lebens ein paar exotische neue Juwelen hinzu – und wenn ihr zurück seid, ist der „Schnee von gestern“ wahrscheinlich sogar schon geschmolzen.

Phase 4: Reflektion mit Blick nach vorn

Das Leben ist ein Lernprozess. Nichts, was einem passiert, ist ohne tiefer Message. Und Partner sind ein Spiegel, in dem ihr euch beobachten und mehr über euch erfahren könnt. Nutzt den gewonnenen Abstand, um eure eigene Rolle in der vergangenen Beziehung besser zu verstehen. Fifty-fifty ist das Verhältnis, immer und mit jedem. Wenn etwas funktionieren soll, müssen beide am selben Strang ziehen. Umgekehrt: Ist etwas gescheitert, haben dazu beide beigetragen.

So lange ihr an etwas sehr nah klebt, fehlt euch der Blick für das größere Ganze. Den habt ihr, wenn eine Beziehung Geschichte ist. Jetzt darf mit einer gesunden Portion Selbstkritik die Analyse des eigenen Verhaltens dafür sorgen, bestimmte „Fehler“ beim nächsten Liebespartner besser im Auge zu behalten. Wir alle funktionieren nach gelernten und verfestigten Mustern – die werden wir auch kaum abschütteln. Aber wir können sie (an)erkennen und versuchen, ihnen nicht die völlige Steuerungskontrolle über uns und unsere Lebensgestaltung zu überlassen.

 

Mein Fazit: Das Leben ist zu kurz und zu aufregend, um auf der emotionalen Klebespur zu nur einem Menschen hängen zu bleiben. Also, zumindest, wenn einem die Beziehung nicht (mehr) guttut. Und wenn schon Bauernweisheiten zum Thema, dann bevorzuge ich auch für diese Lebenssituation den Satz: Schließt sich eine Tür, öffnet sich eine andere.




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