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Lesen in Zeiten von Corona

Corona und die Folgen der Pandemie werden uns noch etwas länger in Atem halten. Da besinnt sich, wer viel Zeit in den eigenen 4 Wänden verbringen muss, möglicherweise darauf, dass Lesen ein so sinnvoller wie lehrreicher Zeitvertreib ist. Ich hätte 3 Lesetipps für euch, die den Horizont in ganz unterschiedlichen Themengebieten erweitern könnten.

Wie der Shit aufs Backblech kommt

Mehr als nur verdaulich sind derweil die Anleitungen meines 2. Buchtipps, für den ihr direkt die Küche putzen und alle wesentlichen Koch- und Backutensilien aus den Schränken kramen könnt. Ein etwas ungewöhnliches Messinstrument dürfte dabei die Feinwaage sein. Akkurates Abmessen ist beim Kochen mit Drogen nämlich elementar – und das wird im Falle dieses Buches schon fortgeschritten behandelt. Warum ihr die Feinwaage also – sofern ihr das möchtet – brauchen könntet, verrät der Titel: „Cannabis Food“ bringt euch in Zeiten der Marihuana-Legalisierungen auf 143 Seiten „pikante und süße Häppchen in der modernen Hanf-Küche“. Stefanie Hua und Coreen Carroll aus den USA, genauer: aus San Franzisko – möchten euch nämlich satt und high zugleich machen.

Ich persönlich würde bei den 30 großartigen Rezepten jedes Gramm Cannabis weglassen – die funktionieren natürlich auch ohne Rauschmittel. Und da ich die nicht mag … könnten zum Beispiel die „Gougères mit Gruyère und grünem Knoblauch“ oder die „gefrorenen Limettentörtchen“ wunderbar auch ohne Kick auf meinen Esstisch kommen.

Edibles nennen die beiden Kiffer-Köchinnen ihre Leckereien quer durch ein Rezepteangebot von salzig bis süß. Wer noch nicht viel zu Cannabis und Cannabis als Ess-Bestandteil weiß, wird von den beiden Expertinnen (ein Link zu einer ausführlichen englisch-sprachigen Rezension) mit Umsicht und Sachverstand aufgeklärt. Zum Beispiel darüber, wie unterschiedlich ein Rausch durch den Magen zu einem aus der Lunge ist– nämlich zirka dreimal stärker . Da der Besitz von Cannabis in Deutschland trotz aller Lockerungsbestrebungen noch immer geahndet wird, fragt man sich natürlich: Warum wurde das Buch nun überhaupt in Deutsch veröffentlicht? Vielleicht, weil es eine Dunkelziffer an „Usern“ gibt, die noch immer auf die langweiligen 1980er-Einerlei-Keks-Rezepten zurückgreifen muss … ? Wie auch immer, bis zum Fall der veralteten Cannabis-Gesetze kann man erfreulicher Weise jedes Rezepteauch gut und gern ohne Trip mit in die Küche nehmen. Da erspart man sich auch die Verantwortung gegenüber seinen Gästen!

Cannabis_Food_GingermagIch habe das Buch meinem Koch-Freund Christian zur Einordnung gegeben, da er in beiden Themengebieten bewandert ist. Er befindet:

Dieses Kochbuch ist schon eher für advanced user. Die Rezepte sind relativ kleinteilig, nuanciert, akkurat. Das Einkaufen ist mittelkompliziert, im Aufwand sind die Rezepte aber ebenso durchdacht wie fortgeschritten. Für die Alltagsküche ist das Buch nicht gedacht – die beiden haben das ja eher vor der gedanklichen Leinwand einer Cannabis Party entwickelt. Aber ich werde auf jeden Fall einiges austesten – auch und gern ohne Cannabis!

Aus unsere beider Sicht spiegelt das Buch eine Cannabis-Kultur wider, die bei uns so weder existiert, noch ist die Zielgruppe ausreichend geübt. Richtet man eine Cannabis -Party mit diesen Rezepten aus, muss man als Gastgeber davon ausgehen, dass das Buffet so lecker ist, dass die Gäste Gefahr laufen, überzudosieren. „Die wären dann 2 Stunden später entweder komplett abgeschossen oder vielleicht sogar paranoid.“ Völlig ungefährlich ist der Genuss nämlich nicht – was aber ja für jede Droge gilt, Alkohol inklusive.

Cannabis-Food, Stephanie HuaCoreen Carroll, At Verlag, 25 €, ISBN: 978-3-03800-043-3

Mädchen unter Mormonen – Ein Blick in eine andere Welt

Wissenszugewinne entstehen ja nicht nur über Fakten. Seit jeher erzählt der Mensch seine Geschichten mündlich. in Bildern, in Zeichen und Schrift, wodurch sehr lebendige Geschichtsbuchschreibung entstanden ist. Zu den Büchern, die mich Leseratte in den letzten Monaten nachhaltig beeindruckt haben, gehört Tara Westovers autobiographischer Roman „Educated“, der im Deutschen „Befreit“ heißt. Tara erzählt in ihren Memoiren Kindheit und Werdegang einer streng erzogenen Mormonin, eine US-amerikanische Glaubensgemeinschaft, in der Frauen der Zugang zu Bildung wie jede andere Freiheit eher versperrt ist.

Titel_Tara_Westover_Befreit

Dieser Blick in eine von völlig anderen Werten und Glaubenssätzen geprägten Welt hat mich mindestens so fasziniert wie der Kampf der Autorin, in die Schule gehen zu können, sich gegen die Brutalität eines familiären und gesellschaftlichen Patriarchats zu behaupten, irgendwann sogar die USA für ein Studium zu verlassen. Was in der kurzen Zusammenfassung vielleicht spröde klingt, liest sich zum Glück absolut mitreissend. Man bangt mit der Autorin, die ihrer Survivalist-Hinterwäldler-Familie erst mit 17 Jahren abringen konnte, erstmals einen Fuß in eine Schule setzen zu können. Man feiert mit ihr jeden einsam erstrittenen Teilerfolg, man leidet bei jedem Rückschlag mit – und ist am Ende des Buches um viel Einsicht in eine befremdliche Parallelkultur reicher. Das Buch stand in seinem Erscheinungsjahr 2018 zu Recht auf der Bestenliste der New York Times.

Tara Westover, Befreit. Wie Bildung mir die Welt erschloss. Taschenbuch ca. 13 €, ISBN-10 3462054007 (der Partner-Link führt zu Amazon)

Entzündungen wirksam eindämmen – und gesund alt werden

„Wie Sie gesund 100 Jahre alt werden“, so der Untertitel von Buch 1, mag aktuell mehr denn je von besonderem Interesse sein.  „Die Anti-Entzündungs-Strategie“ von Autor Dr. Peter Niemann soll LeserInnen dabei unterstützen, insgesamt gesünder und fitter älter zu werden. Denn je länger der Altersprozess voranschreitet, desto mehr „stille Entzündungen“ breiten sich im Organismus aus. Gründe dafür liegen in der Ernährung, der Lebensumgebung wie Luftqualität und Stresspegel – sowie natürlich in der individuellen Erbmasse. Wobei man weiß, dass Entzündungen (oft chronisch und unerkannt bis unspezifisch) alle Altersprozesse beschleunigen. Es gibt entsprechend Hoffnung, ihn auch zu verlangsamen – unabhängig von den Erbanlagen.

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Dafür gibt Dr. Niemann seinen LeserInnen diverse Strategien und Rezepte – im Wortsinn – an die Hand. Zum Beispiel, welche Gewürze und Kräuter heilsam sind (worüber ihr natürlich auch hier auf GINGER an diversen Stellen erfahrt). Er erklärt, was sich alles entzünden kann, um warum etwa Honig, bestimmte Essensmengen oder Medikamente helfen. Welche Nahrungsbestandteile und Umweltgifte Entzündungen eher fördern (etwa Zucker!) oder warum Schlaf und Haustiere unser Leben verlängern helfen. Seine Hymne auf die vielen helfenden Antioxidantien hat der Herr Doktor leicht auf geschrieben und nachvollziehbar erklärt auf gut verdaulichen 163 Seiten.

Dr. Peter Niemann, Die Anti-Entzündungs-Strategie; Wie Sie gesund 100 Jahre alt werden, TRIAS Verlag, 19,99,  ISBN 9783432110028




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