Kochen_Kurkuma

Kurkuma: Wunderwaffe im Gewürzregal?

Nutella ist „out“, Heilpflanzen sind „in“. Alle naselang wird ein neues Kraut in seiner Wirkung erst erforscht und dann umjubelt. Im Moment in aller Munde, in jeder Suppe, jedem Smoothie und sogar in manchem Café Latte: Kurkuma.

Die auch als Gelbwurz bekannte Knolle, Lieferant der gelben Farbe im Curry, wird gerade als jüngster Neuzugang unter den Küchen-Stars gefeiert. Kein Rezept, in dem Kurkuma nicht seinen Ruf als Alleskönner und Gesundheitswunderwaffe unter Beweis stellen soll.

Und: Ja, es stimmt. Studien zeigen, dass Kurkuma eine positive Wirkung auf unseren Körper haben kann. Die alternative Medizin nutzt den entzündungshemmenden Wirkstoff Curcumin häufig bei chronisch entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis oder Morbus Crohn. Außerdem ist Curcumin antiseptisch und hilft z. B. bei Insektenstichen und kleinen Schürfwunden. Auch positive Effekte auf das Herz-Kreislaufsystem und das Gehirn werden ihm zugeschrieben.

Die Frage ist nur: Reicht schon die Messerspitze Kurkuma im Essen oder Getränk? Wäre es nicht fatal, wenn schon kleinste Mengen an freiverkäuflichen Pflanzen aus dem Gewürzregal so starke Wirkung haben? Um es vorweg zu nehmen: So einfach sind unsere Körper dann doch nicht zu manipulieren!

Es gilt hier, zwischen einer gesundheitsfördernden und einer heilenden Wirkung zu unterschieden!

So zeigt eine Studie mit Kniegelenksarthrose-Patienten, dass diese durch ein hoch dosiertes Kurkuma-Präparat (1500 mg pro Tag) eine Besserung ihrer Symptomatik erleben konnten. Das bisschen Kurkuma im Chicken Curry kommt niemals auf solche Dosierungen.

Um das In-Thema aus der Rezepte-Blogosphäre auf ein fundierteres Niveau zu holen, haben wir mit Ralph Steuernagel gesprochen. Der Heilpraktiker und Ayurveda Bhishak gilt als einer der Pioniere des europäischen Ayurveda mit 20-jähriger Lehr- und Patientenerfahrung in Indien und Europa. Außerdem widmet sich Steuernagel der modernen Vermittlung ayurvedischer Inhalte als Chefredakteur des „Ayurveda Journals“ und in seinem Blog.

Curcuma zählt zu den größten Heilpflanzen unseres Planeten, für mich ist sie die Nummer 1!

Herr Steuernagel, haben Kräuter aus dem Gewürzregal eine heilsame Wirkung – und wo findet man Pflanzen von einer derartigen Wirkintensität?

R. S.: Das hängt im Wesentlichen ab von der Qualität der getrockneten Pflanzenteile. Man unterscheidet grundlegend Nahrungsqualität und pharmazeutische Qualität. Letztere sichert eine heilsame Wirkung zu – dafür werden umfangreiche Testungen zur Identität, Reinheit und dem Wirkstoffgehalt der jeweiligen Pflanzen vorgenommen. Im Gewürzregal kommt es eher auf den Geschmack an, die Konzentration an aktiven Wirkstoffen ist unbekannt und liegt tatsächlich häufig deutlich unter der Arzneiqualität.

Gewürze und Heilpflanzen mit heilsamer Wirkung beziehen Sie entweder direkt über die Apotheke oder einen Drogisten, der Apotheken beliefert und daher entsprechende Qualität aufweist. Ein Beispiel ist Kräuter Schulte, dessen Auswahl an Arznei- und Gewürzkräutern weltweit ihresgleichen sucht.

Woran erkennt ein Laie potente Pflanzen mit heilsamer Wirkung?

Die Intensität einer Heilwirkung von Pflanzen ist für Endverbraucher schwer zu erfassen. Die Phytotherapie unterscheidet mild, mittelstark und stark wirksame Heilpflanzen. Letztere sind häufig verschreibungspflichtig, da sie bei unsachgemäßem Gebrauch Nebenwirkungen haben können. Die meisten Gewürze sind zugleich Heilpflanzen, manche von ihnen wirken mild (etwa Fenchel) oder mittelstark (wie Schwarzkümmel), andere dagegen intensiv (zum Beispiel Kalmuswurzel, Chili oder Galgant).

Grundsätzlich sind Gewürze und Pflanzen in grober Schnittform wirksamer als pulverisiert, etwa im Gewürzstreuer oder im Teebeutel. Deren Mahlung liegt meist viele Monate zurück, wodurch Wirkstoffe verloren gehen. In grober Form bleiben sie länger erhalten, müssen aber vor dem Gebrauch ebenfalls zermahlen (durch einen Mörser) oder fein zerschnitten werden.

Senkt das Kurkuma in der Suppe also nicht den erhöhten Cholesterinwert?

Leider nein! Die aktiven Wirkstoffe von Curcuma longa sind die Curcuminoide. Diese liegen im Gewürzpulver zu 3 – 4 Prozent vor, in einem pharmazeutisch hergestellten Extrakt bis zu 95 Prozent. Alle relevanten wissenschaftlichen Studien zu Curcuma beziehen sich auf Curcuminoide, nicht auf das Gewürz im Curry.

Diese Studien belegen, dass Kurkuma zu den größten Heilpflanzen unseres Planeten zählt, für mich persönlich ist sie die Nummer 1! Manche Gewürze-Anbieter übertragen einfach die großartigen Wirkungen bei Entzündungen und Stoffwechselstörungen, auf das Nerven- und Immunsystem, gegen Mikroben und für eine gesunde Leber auf ihre Produkte. Das ist nicht fair und weckt Hoffnungen bei Konsumenten, die nicht erfüllt werden können.

Dennoch gilt: Jede Prise Kurkuma fördert die Gesundheit, vor allem bei täglichem und langfristigem Gebrauch. Ein bisschen Gelb darf das Essen daher täglich sein.

Fazit: Wenn ihr Speisen und Getränke mit Gewürzen garniert, macht ihr das in erster Linie, weil es euch schmeckt. Und falls ihr euch ayurvedisch ernährt: weil es zu eurer Konstitution passt. Krankheiten heilt ihr mit ein paar Rezepten sicher nicht.

Eigenes Experimentieren mit Heilpflanzen nach dem Motto „Es sind ja nur Pflanzen, da kann nichts passieren“ ist übrigens nicht zu empfehlen. In hoher Dosis/Wirkstoffmenge haben Pflanzen durchaus eine Wirkung. Deshalb ist immer ein Experte gefragt, der weiß, welche Pflanze in welcher Dosierung und zu welchem Zweck eingesetzt wird.

Bei Beschwerden kommt ihr also um einen Mediziner, Ayurveda-Experten oder Naturheilkundler nicht herum.

Ein leckeres und wärmendes Kartoffel-Bohnen-Curry (natürlich mit Kurkuma) kocht euch auf Yogaeasy der Ayurveda-Starkoch Volker Mehl vor, ein super Kochvideo gewürzt mit frechen Fragen der Chefredakteurin Kristin Rübesamen.

Mehr zum Thema mit vielen Verweisen zu aktuellen Studien findet ihr auch auf Wikipedia.




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