Ingwer_Ginger

Ingwer: Eine Knolle für alle Fälle

Diese würzige Wurzel ist so hilfreich wie eine halbe Apotheke. Die vielen heilsamen Vorzüge von Ingwer (Englisch: Ginger …) können ausgerechnet wir euch nicht vorenthalten!

In den Genuss der raffinierteren Gourmet-Genüsse kam ich als norddeutsche Deich-Pflanze erst spät. Es ist noch nicht so wahnsinnig lang her, dass regional einkaufen keine freie Entscheidung war, um besonders nachhaltig zu leben. Sondern der Normalzustand. Der Speiseplan meiner Kindheit jedenfalls blieb weitestgehend auf das beschränkt, was der schleswig-holsteinische Boden so hergab.

Inzwischen haben Exoten wie die aromatische Asia-Petersilie oder Ingwer längst ihren festen Platz auch in der Provinz – und in Deutschlands Rezeptelandschaft sowieso. Im Winter schabten sich Heerscharen von Büro-Ladies ein paar Scheiben in heißes Wasser und heizen so ihre innere Öfen an. In der Sushi-Box strahlt es rosa als eingelegte Beilage neben dem Wasabi. Und es peppt recht famos die vielen angesagten Frucht-Gemüse-Smoothies auf, falls man zufällig eine Sellerie-Allergie hat (die gar nicht so selten ist).

Wenige andere Gewürze aber bieten neben dem kulinarischen Plus außerdem heilende Wirkungen. In Ayurvedien gilt Ingwer seit tausenden Jahren als Universalgenie, und auch die Wissenschaft hat die Knollenkräfte inzwischen bestens durchleuchtet.

Erkältungen, Gelenkprobleme wie Arthrose und Rheuma, Schmerzen und Entzündungen inklusive Muskelkater, Auffälligkeiten im Verdauungstrakt inklusive Übelkeit – es gibt weit mehr heilende als kulinarische Gründe, um beim Einkauf stets den Ingwer-Vorrat wieder aufzustocken.

Ingwer wirkt antibakteriell und unterbindet die Vermehrung von Viren, senkt den Cholesteringehalt im Blut, optimiert den Blutdruck und belebt das Herz. Arthritis und Migräne sind weitere Profiteure, die Leber wird gestärkt. Wegen seiner entzündungshemmenden Eigenschaften setzen TCM-Doktoren bei Infektionen und sogar Vergiftungserscheinungen auf Ingwer.

Und das Großartigste: Die Knolle ist quasi unkaputtbar. Sie lagert und lagert – und wird sogar intensiver, je länger sie liegt. Dann bildet sich neben dem Super-Wirkstoff Gingerol ein größerer Anteil an Shogaol: Dieser Scharfmacher wirkt besonders gegen Husten und entsteht neben Trocknung auch durch Hitze. Beim Kochvorgang wird Gingerol zu Shoagol.
Gingerol hat entzündungshemmende Eigenschaften, löst Verschleimungen und lindert Schmerzen. Ein frisch aufgebrühter, kräftiger Ingwertee gehört mit anderen Worten mindestens an jedes Krankenbett. Vor allem, weil Ingwer zusätzlich die Seele wärmt – die liegt ja meist wehleidig mit darnieder.

Ingwer vertreibt die Übelkeit

Matrosen hatten dem Klischee zufolge in jedem Hafen eine Braut. Das mag stimmen oder nicht. Wahrscheinlich aber hatten sie in jedem Seesack eine Knolle der 1400 Ingwer-Varianten. Denn bei langen Reisen (auf schwankendem Boden) ergeben sich viele Möglichkeiten für Magen-Darm-Störungen, Parasiten eingeschlossen.
Hier spielt Ingwer seit jeher den Helden. Das Gewürz, zwei Tage vor Reiseantritt zu den Mahlzeiten eingenommen, stärkt den Magen und den kompletten Verdauungstrakt. Eine halbe Stunde vor Abflug oder Abfahrt noch einmal einen Tee oder eine Kapsel mit 500 mg.
Laut einer 2013 veröffentlichten Studie der Universität Heidelberg unter Dr. Beate Niesler deaktiviert eine Reihe hochwirksamer Inhaltstoffe letztlich unser Brechzentrum, die Übelkeit bleibt aus. Das zeigt auch große Erfolge in der Behandlung von Krebspatienten, die unter Nebenwirkungen ihrer Chemotherapie leiden.
Was immer auf den Magen schlägt – Nervosität, schlechtes Essen, die ersten Schwangerschaftsmonate –, verliert dank Ingwer an Dramatik.

Ingwer regt uns an

Ingwer hat stimulierende Wirkung auf die Durchblutung und den Stoffwechsel. In Asien setzen Männer das Gewürz deshalb zur Steigerung der Libido ein –davon ausgehend, dass eine stärkere Durchblutung auch ein gesteigertes Empfinden beim Liebesspiel bedeutet.

Der Appetit bekommt auf jeden Fall einen Push – das ist für Kranke und ältere Menschen wichtig, da zu wenig Nahrung gleichbedeutend ist mit Entkräftung. Etwas frisch gepresste Knolle ins Essen, und schon sorgt Ingwer für mehr Appetit und Energie. Außerdem macht Ingwer jedes Essen besser verdaulich.

Zugleich unterstützen die Inhaltsstoffe aber auch Diäten, da sie unsere Verbrennungsmotoren auf Touren bringen.

Ingwer schmiert die Gelenke

Die Symptome von Arthrose lindert Ingwer geradezu drastisch. Entzündungsprozesse begünstigen den für diese Erkrankung typischen Knorpelabbau in den Gelenken, die Schmerzen und Schwellungen sowie mit einem Beweglichkeitsverlust verursachen.

Ein durch die Entzündung freigesetztes Enzym baut den geschädigten Knorpel weiter. Ingwer wirkt an dieser Stelle dreifach: Er bremst Entzündungsprozesse, wirkt gegen den Schmerz und fördert so die Beweglichkeit der Patienten. Die bewegen sich mehr – und führen so ihren Gelenken Sauerstoff und Nährstoffe zu, die Gelenke bewahren ihre Elastizität und können regenerieren.

Ingwer für Darmflora (und gegen Parasiten)

Wie gesagt ist Ingwertee wirksam gegen Parasiten und andere Eindringlinge. Denn die beste Waffe ist eine gesunde Darmflora. Diesen Job bewältigt Ingwer als Nebeneffekt – und erwähnte Gingerole haben sogar das Potential, Helicobacter pylori auszuschalten: ein weit verbreitetes Bakterium, das Magengeschwüre und sogar -krebs auslösen kann, falls es sich in der Magenschleimhaut einnisten kann.

Was viel hilft, hat aber auch viel Wirkung: Entsprechend sollten Menschen mit einem nervösen Verdauungstrakt auf die Dosierung achten. Nicht jeder verträgt gleich viel. Kommt es zu erkennbar mehr Durchfall, einfach mal die Menge an Ingwer reduzieren – und einpendeln.

Ingwer stärkt das Immunsystem

Unser Immunsystem profitiert ebenfalls von Ingwer. Glutathion ist ein vom Körper gebildetes Stimulans des Immunsystems und regt die Funktionen der weißen Blutkörperchen an. Freie Radikale greifen unsere Zellen auf verschiedenste Weise an – und ein gesunder Körper mit einem hohen Glutathion-Gehalt ist davor geschützt. Ein geschwächter Körper nicht. Die regelmäßige Einnahme von Ingwer als Freie-Radikale-Schutzschild wirkt diesem krankheitsbedingten Mangel entgegen und unterstützt so unser Immunsystem.

Ingwer und das gesunde Gehirn

Ingwer und Kurkuma (ein Ingwer-Gewächs) unterdrücken Beta-Amyloid, das sich als Fragment komplexer Proteinplaques im Gehirn von Alzheimer-Patienten ablagert. Das macht Ingwer und Kurkuma auch attraktiv im Sinne einer ganzheitlichen Alzheimer-Behandlung. Und wer die gern in seine Smoothies mixt, hält im Oberstübchen alles hübsch geschmeidig.

Ingwer bringt Power in den Sport

Wer Sport und Ingwer kombiniert, hat schon gewonnen. Weniger Muskelkater-Schmerz bedeutet nämlich mehr Training! Vor dem Marathonlauf, Fußballspiel, Schwimmwettbewerb einfach mal eine gute Portion Ingwer nehmen – und schauen, wer glücklicher und schmerzfreier den Sieg feiert.

Wurden die Muskeln und Gelenke doch einmal zu sehr gefordert und schmerzen, hilft eine Kompresse mit einem starken Ingweraufguss.

Ingwer wehrt Krebszellen ab

Wie genau Ingwer auf Krebszellen wirkt, die den Körper attackieren, ist Gegenstand internationaler Forschungsabteilungen. Als gesichert gilt, dass eine chemotherapeutische Behandlung und die parallele Einnahme von Ingwer keine gute Idee ist. Aber präventiv, so der Stand aktueller Studien, leisten die Pflanzenwirkstoffe Erstaunliches.

Offensichtlich beginnen bei Kontakt mit Ingwer die untersuchten Tumorzellen, sich gegenseitig anzugreifen. Auch scheint es sie davon anzuhalten, eine Abwehr aufzubauen gegen Krebsmedikamente.

Das Feld wird weiter erforscht – aber wer täglich Ingwer konsumiert, macht damit offensichtlich viel richtig.

Wie viel Ingwer pro Tag sind gesund?

Als Therapeutikum sollte mindestens ein Teelöffel Ingwerpulver (immer zusammen mit Nahrung) respektive als frischer Ingwer ein etwa 5 Zentimeter großes Stück der Knolle auf den Speiseplan kommen.

Das klappt ohne Extraaufwand mit Gerichten aus den asiatischen und vorderasiatischen Ländern, aber auch im karibischen Raum wird viel mit frischem Ingwer gekocht. Und im Winter rührt man das Gewürz einfach in die aromatischen Weihnachtsgebäcke ein.

Oder ihr macht es wie ich und werft den Entsafter an. Ich werfe immer ein bisschen Knolle in den Saft- oder Smoothie-Mix.

Frischer Ingwertee

Ein Stück frische Ingwerwurzel dünn schälen und durch eine Knoblauchpresse drücken respektive in kleine Stücke schneiden. Diese Menge (max. ein Teelöffel) gebt ihr in eine Tasse, heißes Wasser darüber und eine Abdeckung: Lasst den Tee bis zu zehn Minuten ziehen, aber deckelt die Kanne ab! Durch Verdunstung verliert ihr die wertvollen ätherischen Öle. Nach Belieben mit Honig oder Rohzucker etwas süßen, das hilft vor allem Kindern, den scharfen Tee zu trinken.

Vorsichtsmaßnahmen

Auf Ingwer verzichten oder zuerst den Arzt befragen sollten alle, die blutverdünnende Medikamente nehmen müssen. Bei Gallensteinen ist Ingwer höchstens in Würzdosierung angezeigt. Das gilt ähnlich für schwangere Frauen. Wer bereits eine Vorgeschichte mit Schwangerschaftskomplikationen hatte, streicht Ingwer besser ganz. Ingwer könnte im schlimmsten Fall vorzeitige Wehen auslösen.

Zu hohe Tagesdosen der anregenden Wurzel können negative Auswirkungen auf das Schlafverhalten haben sowie Herzfrequenz-Arhythmien verursachen.




  1. ultraistgut

    Danke für diesen Post, ich liebe Ingwer in jeder Form, fühle mich nur bestätigt !

    Gruß von der sonnigen Ostsee ! 😎

    Schöne, sehr informative Seite, in meinen Reader aufgenommen !


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