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Give peace a chance

Der Krieg ist fast so alt wie die Menschheit. Der Frieden aber auch. Immer schon gab es Menschen, die in Gewalt keine Lösung sehen konnten – und einen anderen Weg gefunden haben. Die Happy-Way-Autorin Bettina Kaever über 5 Friedensbotschafter und ihre Botschaften.

„Give peace a chance“, sangen John Lennon und Yoko Ono 1969 während ihrer weltberühmten „Bed-In“-Kampagne für den Frieden. Sie verbrachten ganze Tage in den Betten von Hotels und luden dazu Journalisten ein – ganz im Sinne des Mottos „Make Love, not War“ der Friedensbewegung, die zur Zeit des Vietnam-Kriegs entstand. „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin“, sagte auch der US-Autor Carl Sandburg (das Zitat wurde später fälschlicherweise Bertolt Brecht zugewiesen). Und „Sag nein“ heißt es in Wolfgang Borcherts berühmtem Anti-Kriegs-Manifest „Dann gibt es nur eins!“ (1947).

Doch wer heute die Nachrichten verfolgt, erstarrt bisweilen. Beginnt zu zweifeln, ob man nicht doch eingreifen sollte und sogar muss, wenn – wieder einmal! – Krieg, Fanatismus und Hass über unsere Welt schwappen. Eine schwierige Frage. Mit der Yogamatte unterm Arm könne man dieser Gewalt jedenfalls nicht beikommen, sagte der „Grünen“-Chef Cem Özdemir in diesem Zusammenhang.

In diesen Zeiten scheint es daher auch unsere Aufgabe zu sein, nicht die Hoffnung auf die Weisheit und die Nächstenliebe in uns Menschen zu verlieren – und an Versöhnung zu glauben. Weil, wie die Geschichte gezeigt hat, auch immer wieder der gewaltfreie Widerstand siegen konnte. Die Irokesen sagten: „Friede ist nicht nur die Zeit zwischen zwei Kriegen. Friede ist mehr, das Gesetz menschlichen Handelns“. Und zu allen Zeiten hat es wegweisende Persönlichkeiten gegeben, die es, auch unter großen persönlichen Opfern, gewagt haben, dem Frieden eine Chance zu geben.

Die folgende Auswahl an Friedensstiftern ist nicht leicht gefallen. Wen stellen wir vor, wen nicht? Die Liste ließe sich leicht um ein Vielfaches verlängern. So lange es solche Persönlichkeiten und ihre Geschichten gibt, besteht die Hoffnung, dass es wirklich einmal Frieden werden kann auf Erden.

„Es gibt keinen Weg zum Frieden. Frieden ist der Weg.“ Mahatma Gandhi (1869 bis 1948)

Mahatma, die große Seele. Diesen Ehrentitel trägt ein schmächtiger Mann mit Nickelbrille, der als junger Mensch extrem schüchtern ist und der dennoch in London Jura studiert und Anwalt wird. Er findet eine Stelle im fernen Südafrika. Als er dort aus einem Zug geworfen wird, weil er als „farbiger Inder“ darauf besteht, mit einem Weißen in einem Abteil der ersten Klasse reisen zu dürfen (und nicht im Gepäckwagen), entzündet sich ein Funke in ihm. Der Funke heißt Gerechtigkeit und Frieden.

Gandhi widmet sein Leben den Benachteiligten. In Südafrika setzt er sich gegen die Rassentrennung ein, wieder zurück in Indien wird er zum Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung. Gandhi tritt außerdem für die Menschenrechte für Frauen und Unberührbare ein und will Versöhnung zwischen Hindus und Moslems schaffen. Dabei hält er sich streng an seine Prinzipien „Swaraj“ (Selbstbeherrschung), „Satyagraha“ (Wahrheit und Gerechtigkeit) – und „Ahimsa“, die Gewaltfreiheit gegen alle Lebewesen. Gandhi ist Familienvater, legt aber mit 37 ein Keuschheitsgelübde ab. Er isst vegetarisch, geht barfuß und trägt einfachste Kleidung.

Seine einzigen Waffen im gewaltfreien Widerstand sind der zivile Ungehorsam und Hungerstreiks, mit denen er seinen Körper bis zur absoluten Erschöpfung herausfordert. In Südafrika und Indien verbringt er insgesamt acht Jahre im Gefängnis. Dennoch sagt er: „Es gibt keinen Weg zum Frieden. Frieden ist der Weg.“

Sein Pazifismus siegt. 1949 wird Indien unabhängig, auch wenn das Land in Indien und Pakistan geteilt wird, was Gandhi hatte verhindern wollen. Ein Jahr später wird er von einem fanatischen Hindu getötet. Mahatma Gandhi war mehrere Male für den Friedensnobelpreis nominiert. In seinem Todesjahr wurde der Preis symbolisch nicht vergeben.

Was Mahatma Gandhi uns lehrt: „Gutes kann niemals aus Lüge und Gewalt entstehen.“

„Bekämpfe den Hass durch Nichthassen.“ Siddharta Gautama Buddha (ca. 4. Jhd. v. Chr.)

Ein indischer Prinz wird in einer Vollmondnacht geboren, so erzählt es die Sage. Während seiner Geburt soll ein weiser Mann verkündet haben, dass aus diesem Kind ein großer, heiliger Mann werden wird. Rund 30 Jahre verbringt der Prinz unauffällig im Palast, gründet eine Familie. Doch irgendetwas fehlt im vornehmen Leben des Siddhartha Gautama. Er geht auf Wanderschaft. Sieht zum ersten Mal das Elend dieser Welt. Ist schockiert, will etwas tun gegen das Leid, das er tagtäglich miterleben muss. Er beschließt, Bettelmönch zu werden. Jahre später, er ist 35, setzt er sich unter einen Bodhi-Baum, um zu meditieren. Nicht einen Tag, nein, mehrere Wochen lang befindet er sich in tiefer Versenkung. Und wieder steht der Vollmond am Himmel, als Siddharta Erleuchtung findet. Er wird zum „Erwachten“. Zum Buddha.

Mit einem Mal erkennt er alle Zusammenhänge des Universums, sieht seine früheren Leben an sich vorüberziehen, verliert alle menschlichen Begierden und das, was wir „Ego“ nennen. Er weiß jetzt: „Nicht außerhalb, nur in sich selbst soll man den Frieden suchen.“ Seine Erfahrung will er mit anderen teilen. Das Revolutionäre seiner Mission: Er spricht für wirklich alle Menschen, die sich dafür interessieren, schert sich keinen Deut um das rigide Kastensystem.

„Bekämpfe den Hass durch Nichthassen, durch Güte den Bösen, gewinne durch deine Opfer den Geizigen und durch deine Wahrheitsliebe den Lügner“, sagt er. Eine seiner Vorsätze, die er lehrt: „Ich will keine Gewalt anwenden.“ Bis heute, und vielleicht aktueller denn je, wird seine Botschaft des friedlichen Miteinanders weltweit weiter verbreitet. Buddha stirbt hochbetagt und geht, so heißt es, nach seinem Tod ins Nirvana ein.

Was Buddha uns lehrt: „Groll mit uns herumzutragen ist wie das Greifen nach einem glühenden Stück Kohle in der Absicht, es nach jemanden zu werfen. Man verbrennt sich nur selbst dabei.“

„Meinen Frieden gebe ich Euch.“ Jesus von Nazareth (um 4 v. Chr. bis um 33 n. Chr.)

„Ich bin das Licht der Welt“, sagte er. Und tatsächlich ist es kein Zufall, dass wir die Geburt Christi Ende Dezember feiern – kurz nach der Wintersonnenwende (21./22. Dezember), nach der die Tage wieder länger werden. Die Mission des Lichtbringers Jesus von Nazareth: Frieden in eine archaische Welt zu strahlen. „Denn uns ist ein Kind geboren, und er heißt Friedensfürst“, heißt es in Jesaja 9,5.

Rund 30 Jahre lebt Jesus – wie Buddha übrigens – mehr oder weniger im Verborgenen. Die Legende seiner Geburt gilt heute unter Bibelforschern als mythische Geschichtsschreibung, über seine Kindheit und Jugend ist in der Bibel vermerkt, dass er sich gern im Tempel aufhält. Jesus von Nazareth wird schließlich besitzloser Wanderprediger und schart Gleichgesinnte um sich, um den Menschen auch seine pazifistische Sichtweise zu verkünden. Dem alttestamentarischen Rechtssatz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ stellt er seinen weltberühmten Ausspruch entgegen: „Wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, so halte ihm auch die rechte hin“ (Matthäus 5,39).

Jesus wendet sich damit gegen die damals herrschende Blutrache. Denn „selig sind die Sanftmütigen, sie werden das Erdreich besitzen“ (Matthäus 5,5). Er bringt versöhnende Liebe auf für die, die am Rande der Gesellschaft stehen – für Huren und Aussätzige. In einem Land, das von Feinden besetzt ist, lautet seine Botschaft auch: „Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen“ (Matthäus 5,44).

Sein Friedensgedanke ist dabei nicht nur gesellschaftlich, sondern auch immer als innere, spirituelle Seelenruhe gemeint: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ Jesus, der Revoluzzer, stirbt am Kreuz. Seine Jünger gründen mit seiner Lehre das Christentum. Was Jesus Christus uns lehrt: „Friede sei mit euch.“

„Der Friede beginnt in unseren Herzen.“ Mutter Teresa (1910 bis 1997)

Schon mit 12 Jahren ist Agnes Gonxha Bojaxhiu, die spätere Mutter Teresa, sicher, Ordensfrau werden zu wollen. Mit 18 wird die in Mazedonien geborene Albanerin als Novizin bei den Loretoschwestern aufgenommen. Wenig später schickt man sie nach Bengalen, wo sich der Orden an Schulen engagiert. Dort arbeitet sie in der St. Mary´s School 17 Jahre lang erst als Lehrerin und später als Direktorin. Mit 36 Jahren hat sie eine übersinnliche Erfahrung. In Kalkutta hört sie beim Anblick eines Kruzifixes die Stimme von Jesus Christus. „Mich dürstet“, sagt er und fordert sie damit auf, den Armen zu helfen.

Daraufhin gründet sie 1950 die Gemeinschaft der Missionarinnen der Nächstenliebe, die sich fortan um (Lepra-)Kranke und Sterbende, Waisen und Obdachlose kümmert. Der Wunsch, die Welt ein bisschen besser zu machen, ist dabei ihr Antrieb: „Der Friede beginnt zu Hause und in unseren Herzen. Wie können wir Frieden in die Welt bringen, wenn wir keinen Frieden in uns haben?“, sagt sie. Was damals keiner weiß und viel später Briefe belegen: Schon kurz nach der Gründung ihrer Ordensgemeinschaft zweifelt Mutter Teresa an ihrem Glauben. Obwohl ihre Arbeit heute durchaus umstritten ist (zum Beispiel weigerte sie sich, eine gespendete große Obdachlosenunterkunft in den Bronx anzunehmen, weil dort ein Fahrstuhl installiert werden sollte; in vielen indischen Sterbehäusern sollen extrem unhygienische Zustände geherrscht haben), erhält sie für ihr Werk weltweit Anerkennung. 1979 wird ihr der Friedensnobelpreis verliehen, 2003 spricht sie der Papst selig.

Was Mutter Teresas uns lehrt: „Friede beginnt mit einem Lächeln. Lächle fünfmal am Tag einem Menschen zu, dem du gar nicht zulächeln willst. Tue es um des Friedens willen.“

„Meine Waffe ist das Wort.“ Nelson Mandela (1918 bis 2013)

27 Jahre sitzt er in Haft. Dann wird er der erste schwarze Präsident Südafrikas. Nelson Mandela – und seine Mitstreiter – haben Jahrzehnte ihres Lebens gelassen im unermüdlichen Kampf gegen die Apartheid.

Mit 20 tritt Mandela in die Jugendliga des „African National Congress“ (ANC) ein, der sich für die Rechte der Schwarzen in einem von Weißen regierten Land einsetzt. 1952 eröffnet er mit seinem Freund Oliver Tambo (dem zukünftigen Vorsitzenden des ANC) die erste allein von Schwarzen geführte Anwaltskanzlei Südafrikas. Zu Beginn ist Mandelas politisches Engagement im ANC friedvoll. Die Stimmung kippt 1960 nach dem Massaker von Sharpeville, bei dem 69 Schwarze von weißen Polizisten erschossen werden. Mandela ruft als ANC-Vizepräsident zum bewaffneten Kampf auf.

Er und seine Mitstreiter gelten fortan als Terroristen. Im legendären Rivonia-Prozess werden sie 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt. Vorher hatte Mandela in einer vierstündigen Rede seinen bewaffneten Kampf begründet: weil die Regierung auf den gewaltlosen Widerstand der nicht-weißen Bevölkerung nicht reagiert und immer strengere Gesetze erlassen habe.

Es sind schwere Jahre im Gefängnis unter anfangs unmenschlichen Bedingungen. Dennoch verbittert Nelson Mandela nicht. Und gibt nie auf. In der Haft bereitete er seine Politik der Versöhnung vor. Seine neue Botschaft: „Meine Waffe ist das Wort.“ 1990 lässt Staatspräsident Frederik de Klerk Mandela frei, das Verbot des ANC wird aufgehoben. Ab 1991führt Mandela als ANC-Präsident Verhandlungen mit der Regierung zur Abschaffung der Apartheid und Einführung einer neuen, vorläufigen Verfassung. Und endlich: 1993 wird eine Vereinbarung über freie Wahlen und eine Übergangsregierung erzielt. 1994 gewinnt der ANC die ersten demokratischen Wahlen Südafrikas, Mandela wird Präsident des Landes.

Was Mandela uns lehrt: „Auch mit einer Umarmung kann man einen Gegner bewegungsunfähig machen.“

 

 

HappyWay_Cover–1_15 Dieser Text der Autorin Bettina Kaever erschien als Titelthema in der Ausgabe 1/2015 des Magazins „HAPPY WAY Magazin für Glück, Gesundheit und Genuss“.

 




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