Dutzi_Taschen

Gingers Darling: Taschen von „Dutzi“

Keine Angst vor der ausgewachsenen Midlfe-Crisis. Mitunter gibt sie den Startschuss für ein spannendes, pittoreskes neues Leben. So wie bei Ariane Dutzi.

Vor etwa 10 Jahren gehörte die damals knapp 40-Jährige Journalistin aus Bruchsal bei Heidelberg zur In-Crowd ihrer Wahlheimat New York. Single und kinderlos, arbeitete sie sehr einträglich als Fashion-Korrespondentin für einen großen deutschen Magazinverlag, schicker Lifestyle und Küsschen-Küsschen mit Manhattans Society-Szene inklusive. Und sie fragte sich, ob es nicht etwas „Sinnvolleres“ in ihrem Leben gäbe als Mode.

Heute, einige Turbulenzen später, führt die attraktive Brünette ihr selbst designtes, weltweit vertriebenes Handtaschenlabel „Dutzi Design“ und wird dafür gehätschelt von Fashion-Größen wie der „Vogue“-Chefredakteurin Anna Wintour oder der Designerin Donna Karan. Trotz oder auch gerade weil Dutzis Taschen ökologisch-nachhaltig produziert werden.

Im Zuge ihrer New Yorker Sinnfindungskrise war Ariane Dutzi eher zufällig für ein Drei-Monats-Sabbatical im mexikanischen Stranddorf Tulum gestrandet. Sie blieb anderthalb Jahre, verliebte sich in das Hippie-Örtchen und die Halbinsel Yucatan, heuerte an als Managerin eines neuen Boutique-Hotels. Nach Manhattan kehrte sie aus wirtschaftlichen, aber auch sozialen Gründen zurück; im beschaulichen Tulum war es auf die Dauer doch ein bisschen einsam.

Sie kündigte allerdings ihren Job im Medienkonzern und startete erneut: als Showroom- Chefin eines bekannten New Yorker Vintage-Kleiderhändlers. Star-Designer wie Jean Paul Gaultier, John Galliano oder Calvin-Klein-Stylist Francisco Costa ließen sich bei ihr für neue Kollektionen inspirieren.

Die Sehnsucht nach Mexiko ließ die an der Pariser Sorbonne studierte Literatur- und Geschichtswissenschaftlerin allerdings nicht mehr los. 2007 zog sie endgültig nach Yucatan, kaufte in der Kleinstadt Valladolid ein 400 Jahre altes marodes Haus, renovierte es von Grund auf und eröffnete ihre eigene Vintage-Modeboutique.

Zwei Jahre später stand ein lokaler Handwerker mit einer fast schon vergessenen Idee von ihr vor der Tür: dem Prototyp einer von Ariane mal eben aufs Papier geworfenen Handtasche. Es war die Geburtsstunde des Taschen-Labels „Dutzi“.

Gefertigt werden die Kollektionen aus recyceltem Leinen (aus alten Kaffeesäcken), aus Bast oder Wolle seither in Arianes Atelier sowie in mexikanischen Wohnstuben: 23 Maya-Frauen ernähren mit diesen Aufträgen ihre Familien.

Ariane_Dutzi_Arbeiter

Ariane Dutzi war ein Teenager, als die Partei der Grünen gegründet wurde und ein damals neues deutsches Umweltbewusstsein wuchs. „In meiner ersten Lebenshälfte habe ich Erfahrungen gesammelt. In der zweiten möchte ich etwas schaffen und Anderen etwas zurückgeben“, sagt sie. Letztendlich seien ihre binnen 2 bis 14 Tagen handgefertigten Clutches und Umhängetaschen das Symbol für „gutes Design, Qualität und Nächstenliebe“.

4000 Dollar investierte sie in das Abenteuer ihres Labels, Banken lehnten Kreditwünsche der Neu-Entrepreneurin ab. Ariane kämpfte gegen kulturelle Missverständnisse, mexikanisches Macho-Gehabe – und für ihren eigenen, sehr deutschen Anspruch an Perfektion und Qualität.

Im ersten Jahr verkaufte sie in ihrer kleinen Boutique in Valladolid nicht ein einziges Modell. Im zweiten Jahr nahm ein befreundeter New Yorker Szeneladen ihre Taschen ins Programm. Das war ihr Durchbruch. Topfotografen und internationale Modemagazine wie „Marie Claire“ und „Vogue“ setzten Arianes nachhaltige Taschen in Szene.

Im Sommer 2011 traf die Neu-Designerin eher zufällig (beim Shoppen in den Hamptons) auf Donna Karan, die sich prompt für Arianes eigene Tasche begeisterte. Die berühmte Modemacherin organisierte eine erste kleine Trunk-Show für Dutzi-Taschen, zu der Hochkarat-VIPs wie Barbra Streisand und Hillary Clinton erschienen. Und die german organic bags verzückt mit nach Hause trugen. Seither werden Dutzi-Bags in Donna-Karan-Stores von New York bis Hollywood verkauft.

Dutzi_Taschen_Gruppe

Weitere prominente Abnehmer folgten, etwa Designerlegende Yoshi Yamamoto, der die Taschen in seinen Boutiquen zwischen Paris, London und Tokio vertreibt. Sängerin Jessica Simpson zeigte sich unlängst mit einer Dutzi-Tasche, und ein Foto der neuzeitlichen Trendikone Kim Kardashian mit Dutzi-Clutch ging via Twitter um die Welt.

Rund 1500 Taschen hat die umtriebige Ariane im vergangenen Jahr abgesetzt, aktuell plant sie eine Home-Dekor-Linie, Sandalen und andere Accessoires sowie eigene Boutiquen. Und hat schon wieder Umzugsfieber.

Als sie jüngst für ein paar Monate in Paris war, gab zuhause in Mexiko wieder einmal die komplette elektronische Technik den Geist auf, ihr Haus brannte fast ab, die hütende Putzfrau suchte das Weite, sämtliche Näherinnen meldeten sich wegen eines grassierenden Stechmückenfiebers krank.

Trotz aller Liebe zum Charme Yucatans liebäugelt Ariane deshalb gerade mit einer Rückkehr nach Europa, ihre vier Hunde inklusive. Dennoch will die begeisterte Yoga- und Meditations-Jüngerin mitnichten ihr Lebensmotto verwerfen: „Es ist, was es ist. Ich versuche, trotzdem glücklich zu sein.“

Dutzi_Portrait

 

Das Magazin „Lonny“ hat vor 2 Jahren eine sehr schön fotografierte Homestory über Arianes mexikanisches Zuhause gebracht, die Story und die Fotos findet ihr hier.




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