FLATS vs HEELS – Unten ist das neue Oben

Schuh-Trend: Unten ist das neue Oben

Immer weniger Frauen stehen auf Schuhe, die edel aussehen, aber den Fuß in Ketten legen. Bitte begrüßt mit uns und Tusch: den Auftritt der Flachen Schuhe.

Ich bin auf 8-cm-Absätzen erwachsen geworden. Fast 30 Jahre lang habe ich dazu geschummelt, was mit Wachsen einfach nicht mehr werden wollte. Die meisten Leute sind darauf reingefallen und hielten mich für eine große Frau. Das ist vorbei. Jetzt schaut man auf mich herab. Und es macht mir so gar nichts aus. Nada.

Ich habe nur ein einziges Krokodilstränchen zum Thema: eine fast peinlich große Kollektion an High-Heels, die jetzt ein trauriges Dasein im Keller fristet. Liebevoll in Kartons und Schuhbeutel verpackt, aber doch einsam und verwaist finden dort Pumps, Plateaus und Co, dass früher alles besser war. Doch ein glamouröses Morgen gibt es für sie nicht mehr.

Denn ich lebe flach. Spätestens seit ich Yoga auch unterrichte, hatten wir uns auseinandergelebt, die Absätze und ich. Manchmal verfalle ich in Nostalgie und nehme ein schönes Paar für ein paar Stunden mit auf eine Party (vorausgesetzt, ich kann dort auch sitzen). Danach trennen sich unsere Wege wieder. Jeder dieser Ausflüge auf Planet Sexy schmerzt mich mehr, als mich das Leid der vergessenen Schuhe plagt.

Zu Anfang allerdings war statt Ästhetik  nur Grauenhaft. Ich pilgerte durch jeden bekannten und unbekannten Schuhladen. Und fand Oma-Schuhe. Tanten-Schlappen. Schnepfen-Ballerinas. Mein in Jahren des Schuhfetischismus verfeinerter Schuhgeschmack war Besseres gewohnt. Ohne Absatz sah alles irgendwie Latsche aus. Und sorry, Sneaker verstehe ich nicht als Schuhe. Sondern trage sowas nur zum Joggen. Oder beim Tennis.

Aber etwas ist passiert. Erst fielen mir vor allem jüngere Frauen auf, die selbstbewusst auf das Hochschrauben verzichten. Dann kletterten zusehends auch ältere von ihren 8 bis 12 Zentimetern herunter. Designer, die bislang nur für hoch bezahlten Fußanatomiesadismus bekannt waren, scherten ein. Plötzlich können auch sie Flach.

Ich werte das Ganze unter anderem als eine Folge der wachsenden Yoga-Ausbreitung. Ohne gesunde Basis der Körperstatik geht da gar nichts. Und die fängt naturgemäß beim Unten an. Um kann von dort dem Oben einen Neuanfang signalisieren.

Das mit meiner quasi geschrumpften Erscheinung relativiert sich durch die massenhafte Ausbreitung von Flach-Trägerinnen langsam von selbst. Hält der Trend an, muss ich nicht einmal mehr bis Indien fliegen, um mich unter den Großen zu wähnen. Da bin ich sogar barfuß einen Kopf länger als die anderen.




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