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Fasten für Jedermann: Verzichten, leicht gemacht

Manchmal bleiben die Teller leer. Und das ist meistens gut so. Zum Glück und zur Inspiration gibt es es mehr Fastenkuren als Gründe für den Verzicht.

Während bei denen einen im Motivationshintergrund der Aberglauben mahnt – in nahezu allen Weltreligionen gehört Fasten zu den Pflichten der Gläubigen –, spekulieren andere  weltlich banal auf eine optimierte Bikinifigur. Und wieder andere freunden sich mit der Idee an, für einen vergleichsweise kurzen Zeitraum weniger bis nichts und wenn, dann zur Abwechslung einmal nur Gesundes zu sich zu nehmen.

Laut „Der Spiegel“ von 3/2014 nimmt in Deutschland jeder Zehnte eine Fasten-Auszeit um den Aschermittwoch herum. Grundlage der Aussage war eine repräsentative Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. Mehr als 50 Prozent der Willigen nennt für den Verzichtswillen gesundheitliche Gründe.

Fasten: Sinn oder Unsinn?

Dabei gilt manchem Wissenschaftler das Fasten als sinnbefreit. Für die meisten gesunden Menschen könne es sogar schädlich sein, raunt die Schulmedizin. Als Modebegriff gegen Schlacken, für die bislang jeder wissenschaftliche Nachweis fehlt, landet Fasten gern auch mit Detox in einem Topf. Die Aussicht auf „Entgiftung“ lockt Genussmenschen mit der Vorstellung, das komplexe Verdauungs- und Entgiftungssystem ihres Körpers benötige zuweilen Starthilfe. Derweil hilft Detox vor allem beim Geldverbrennen: Mangelnde Aufklärung über das System Körper (Stichwort: Kassenpatient) in Kombination mit dem Halbwissen-Bombardement aus dem Internet hat die westlichen Gesellschaften derart verunsichert, dass in der Konsequenz vor allem Scharlatane daran genesen. Letztlich aber sind es in aller Regel erwachsene Menschen, die sich zu einem Verzicht entscheiden. Und die sollten selber verantworten können, welchen Informationen sie ihr Vertrauen schenken.

Anders als Supplement-Versprechen aus überteuerten Fläschchen und Döschen hat das Fasten aus Sicht der ganzheitlich agierenden Mediziner-Fraktion sehr wohl seine Berechtigung. Und sei der Effekt auch nur reduziert auf die Disziplin, die das Fasten erfordert, oder die Bewusstmachung für den eigenen Körper: Mit beidem ist der sogenannte moderne Mensch eher unterversorgt. Allein diese Bereicherung wäre für die Spezies Mensch also eine willkommene.

Fasten: Neustart für den Stoffwechsel

Die Autorin Anna Cavelius hat viele Jahre als Redakteurin und Wissenschaftsautorin Artikel zu medizinischen und psychologischen Sachthemen verfasst. Diverse Ratgeber und Sachbücher unter ihrem Namen sprechen vor allem jene an, die beim Abnehmen Unterstützung suchen. Aber auch Hormone, Selbstheilung und gesundes Kochen gehören zu Anna Cavelius’ Themenspektrum.

In einem Interview zum Start ihres jüngsten Buches bezeichnet die Autorin den medizinischen Nutzen des Fastens als eine Art Re-Booting des Stoffwechsels. Durch die Verdauungs-Zäsur erhole sich das Immunsystem, „Heilungsprozesse werden eingeleitet und der Stoffwechsel kann sich neu ausbalancieren. Aus medizinischer Sicht ist der wichtigste Nutzen die Umschaltung von der Verbrennung von Zucker (Glukose) auf die von Speicherfett.“ Es gebe wissenschaftliche Studien, die das „über die Jahrtausende weitergegebene Erfahrungswissen über die positiven und manchmal sogar wundersamen Fastenwirkungen bestätigen.“ Ich hätte Quellenangaben zu diesen Studien begrüßt. Aber wenn zum Verzicht aufgerufen wird, darf man nicht kleinlich sein.

Das am 15. Januar erschienene Buch heißt etwas irreführend „Das Fastenbuch. Die besten Fastenkuren für jeden Tag“. Für jeden Tag? Zur allgemein verbreiteten Idee vom ritualisierten Nahrungsverzicht gehört eher ein Zeitraum von wenigen Tagen; nur Erfahrene und Kranke überschreiten die Wochengrenze schon mal. Begleitete Kuren wie das Heilfasten nach F.X. Mayr dauern gut und gern drei Wochen.

Fastenkuren, die für jeden einen Weg anbieten

Die Frage klärt sich beim Lesen: Cavelius empfiehlt auf umfassend informativen 206 Seiten 18 sehr unterschiedliche Fastenvarianten, die nicht für jeden gleich geeignet sind und oft nicht dieselben Ziele verfolgen. Gesunde zum Beispiel heilfasten aus Sicht der Autorin individuell und präventiv, um Gefäßerkrankungen, Schlaganfällen und Herzinfarkten vorzubeugen. Im Rahmen einer Therapie dagegen sollen entsprechende Verzichtskuren „ernährungsbedingte Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Gicht, allergische und rheumatische Beschwerden, Hauterkrankungen und Durchblutungsstörungen“ lindern. Auch Bluthochdruck, Hepatitis und Migräne sprächen gut darauf an. Diese Form des Heilfasten sollte allerdings immer in Absprache mit dem Hausarzt oder angeleitet von erfahrenen Ärzten einer Fastenklinik erfolgen.

Disziplinierte Esser, denen ihr Kalorien- und Nahrungs-Input ein tagtägliches Anliegen ist, könnten am „Alternierenden Fasten“ Gefallen finden: Hier legt man pro Woche beispielsweise durchgängig zwei Fastentage ein. „Die intensivste Form ist das Fasten im 24-stündigen Wechsel,“ sagt Cavelius: „Man isst am einen Tag nach Belieben, am nächsten Tag nimmt man ausschließlich Wasser und ungesüßte Tees zu sich. Diese Variante erfordert gerade zu Beginn die größte Disziplin, mit der Zeit tritt aber ein Gewöhnungseffekt ein.“

Ein Problem eint alle Fastenden: das Durchhalten. Echter Hunger tritt erst dann nicht mehr auf, wenn der Darm seine Arbeit einstellen kann. Was häufig bleibt, ist schierer Appetit – und das ist keine geringe Herausforderung. Fasten schärft die Sinne, und der Duft von Essen entwickelt eine magische Sogwirkung. Mein Tipp: Shoppingmeilen und Innenstädte weitgehend meiden! Hier erlebt man mit einem gewissen Grauen, welcher Unmeng an Essen wir jeden Tag ausgesetzt sind. Allgemein ist Rückzug eine gute Durchhaltestrategie. Idealerweise fastet man während ein paar Frei-Tagen oder weit weg vom Alltag irgendwo im Anderswo. Denn ganz banale Ansprüche wie Arbeit, Alltag, Sozialeben erleben nicht nur ungeübte Fastende häufig als ungewöhnlich belastend.

Anna Cavelius spricht jede dieser Hürden an. Molkefasten, Intervallfasten, Schrothkur, Bikinifasten, F. X. Mayr, Suppenfasten … welche Fastenkur ist für wen und wann geeignet oder eben nicht? Was ist jeweils zu beachten? Wie geht das? Was passiert dabei mit dem Körper, was kann ich ihm Gutes tun? Schwimmen, Yoga, Wandern: Welches Bewegungprogramm ist das Richtige? Was sollte in Haus und Kühlschrank vorrätig sein? Jede denkbare Fasten-Frage bekommt von Anna Cavelius eine Antwort, zusätzliche Tipps streut sie wie kleine Perlen entlang des Lesewegs. Aber das beste an ihrem Fastenbuch: Es ist voller toller Rezepte und Food-Fotografie, die richtig Appetit macht. Appetit auf den Verzicht: Das ist eine reife Leistung.

Keine Fastenkur ohne Jojo-Gefahr!

Ernährung ist letztlich der Dreh- und Angelpunkt beim Fasten. Die Rezepte im Buch helfen deshalb nicht nur beim Vorbereiten, Fasten und bei den anschließenden Aufbautagen. Sie sind auch für die Entwicklung neuer Nahrungsgewohnheiten eine gute Referenz. Denn der Rückfall – ins alte Gewicht, in dieselben Genussmuster – winkt nach jeder Fastenkur. Bei Varianten, die hauptsächlich die Reduktion von Gewicht in relativ kurzer Zeit zum Ziel haben, ist die Gefahr des Jojo-Effekts hoch, bestätigt Cavelius: Wichtig sei nach jeder Kur eine Umstellung auf eine gesunde, vollwertige Ernährung und eine bewusste Ernährungsweise. „Je mehr man das Fasten als Reinigung und Neuanfang begreift und je mehr man seinen bisherigen Lebensstil reflektiert und nachhaltig verändern möchte, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man das neugewonnene Gewicht auf Dauer auch halten kann.“
image001Anna Cavelius, „Das Fastenbuch. 18 Kuren für alle Gelegenheiten“ , Hardcover, 206 Seiten, erschienen bei systemed Verlag, 19,99 EUR. ISBN 978-3-927372-85-6

 

 

 

 

 

 

 

 




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