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Essena O’Neill: Das Ende der Generation Selfie?

Sie ist 19, war bis vor einigen Tagen ein auf Hochglanz polierter Instagram/YouTube-/Snapchat-Selfie-Weltstar und steigt nach einer Art vimeoöffentlichem Zusammenbruch aus der Asche auf als ungeschminkter Phönix, der die wahren Werte und Inhalte echter menschlicher Kommunikation zu seinem Auftrag gemacht hat.

Dass diese Aktion von Essena O’Neill, dem australischen Spät-Teenager mit weltweit hunderttausenden Fans und Followern, quer durch die Weltmedien branden würde, war also vorhersehbar.

Und weil Menschen in den allermeisten Fällen vorhersehbar handeln, haben auch die Reaktionen nicht überrascht. Die einen haten und schimpfen und lästern – Grundtenor: alles nur eine neue Facette ihres Aufmerksamkeits-Defizits –, die anderen feiern sie als Gallionsfigur eines überfälligen Social-Media-Wendepunkts.

Denn sicher geht uns allen die aalglatte Selfie-Kultur, in der man uns permanent mit Schokoladenseiten-Bildchen um Bestätigung anbettelt, langsam auf den Keks. Wer hat nicht schon die eine oder andere Person aus dem eigenen virtuellen „Freundes“-Kreis blockiert oder entfernt, weil zu viel Lebens-Peep-Show einfach nervt?

Essenas Jugend ging weitgehend für aufwändige Inszenierungen drauf, mit denen sie die Likes und Freundschaften abertausender Unbekannter einsammelte. Inzwischen hat sie eigenen Angaben zufolge erkannt, wie hohl und bedeutungslos das alles ist, und dass es im Leben auf Wichtigere/s ankommt. Für die Erkenntnisse, dass junge Menschen mehr sind als ein schöner Hintern im Bikini, muss man nicht Einstein sein. Aber vielleicht älter und reifer als 15, 16 Jahre.

 

Nun kann man annehmen, Essenas kathartische Inszenierung (in neuen virtuellen Kanälen) sei nur Starthilfe für ihr neues Projekt – eine Website namens Letsbegamechangers, die natürlich direkt viele Fans und somit Reichweite hat. Diese noch nicht einmal fertig designte Seite soll zur Plattform werden für „new age“-Botschaften, die um bewusstes Leben und Veganismus kreisen, die Abgründe des Berühmtseins und Technik-Abhängigkeit, aber auch um Umwelt- und Gesellschaftsthemen, kontroverse Kunst oder Geschlechter-Gleichstellung.

Bis jetzt geben dort Inspirationsvideos von der Ex-Lady-Gaga Stefanie Germanotta oder der Musikerin Amanda Palmer Hinweise darauf, für welche neue Haltung Essena O’Neill stehen will. Auch distanziert sie sich sich explizit davon, käuflich zusein, sondern bietet sämtliche Angebote ihrer neuen Site an als freiwilliges „pay if you like it“-Modell.

Eine zumindest ungewöhnliche Art der Unabhängigkeit, die sie sich bei den vielen verbliebenen und sicher neuen Fans wird leisten können. Bislang „verdiente“das Selfie-Model seinen Lebensunterhalt mit den in Social-Media-Kreisen und der Blogosphäre inzwischen gängigen „pay per post“-Absprachen.

Die „Habe ich gerade entdeckt, schaut mal, wie toll“-Blogger-Welle zu Produkten, die gegen Geld schöngeschrieben werden, hat möglicherweise ihren Zenit erreicht. Denn Authentizität ist ein geachtetes, weil seltenes Gut – und dessen Attraktivität ist abzulesen an der gerade auf Instagram ausgebrochenen Gegenbewegung der echten Fotos. Vielleicht ist ja auch endlich die Scheinwelt der am PR-Tropf hängenden Modeblogger so schnell wieder Geschichte, wie sie sich aufgebauscht hatte.

Wir denken ja bevorzugt positiv und schenken auch Teenagern gern unser Vertrauen. Jeder Mensch kann und darf sich weiter entwickeln. Mein Motto war zum Beispiel seit jeher: Was interessieren mich meine Ansichten von vor 5 Jahren … Wenn ich doch heute viel mehr Informationen dazu habe!

Wie könnten wir auch nicht der Jugend vertrauen! Sie soll in wenigen Jahren unsere Welt bestimmen. Also gebe ich persönlich einer jungen Frau, die gewisse Spielregeln ändern möchte, wie ihre Website sagt, gern den Vorzug vor all den Viral-Bildchen auf SnapSelfPorn oder wo auch immer.

Und wo steht ihr in dieser Debatte? Nervt euch die Selfie-Welt, oder steht doch noch der Fotografierstab auf der Weihnachtswunschliste?




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