Teenager_Respekt

Erziehung ist keine Einbahnstraße

Schräge Outfits. Verschlossene Zimmer. Knallende Türen. Renitenz oder gleich offene Rebellion. Geheimnisse. Auffälliges Sozialverhalten. Sorgen. Eines Tages ist es soweit. Das Kind steht an der Schwelle zum Erwachsenen. Und plötzlich geht es in vielen Familien nur noch um: Probleme.

Die Konsequenzen dieses bedeutenden Wandels im Leben eines Jugendlichen für das familiäre Zusammenleben sind so unterschiedlich, wie die Menschen verschieden. Sicher ist nur, dass die Kommunikation zwischen Eltern und Kind eine neue, oft (aus Sicht der Eltern) eine schlechtere wird.

Eltern, die sich nicht erinnern

Beim wichtigen ersten und unvermeidlichen Abnabelungs-Prozess eines jungen Menschen mangelt es vielen Eltern an Verständnis und angemessenem Verhalten. Auffällig ist, dass die Erinnerung an die eigene Teenager-Zeit oft völlig verblasst zu sein scheint. 30 Jahre, nachdem man den Eltern eine Klamotten-Autonomie abgetrotzt hatte, will man den Söhnen und Töchtern daheim Kleidungsvorschriften machen. Nur mal so als Beispiel.

Je mehr der Nachwuchs Eigenbestimmtheit fordert – essentiell für das Funktionieren in der Gesellschaft –, desto stärker zieht manch‘ Erziehungsbeauftragter jetzt die Kontrollzügel an. Und sorgt so nicht nur für Kinder, denen es an der Erfahrung mit der eigenen Entscheidungskompetenz mangelt. Sondern kreiert auch hauptverantwortlich genau jene häusliche Stimmung, die er beklagt.

Denn dass Pubertierende und Eltern einander fremd werden, als Vertraute verlieren, ist kein Gesetz. Stattdessen gilt fast schon als Faustregel: Je weniger Anerkennung und Respekt man seinen Kindern jetzt entgegenbringt – umso heftiger dürften ihre Versuche sein, sich dagegen zu behaupten.

Damit lässt man sie schnell und vielleicht zu früh nach eigenen und nicht immer günstigen Wegen streben. Dabei sind es noch immer Kinder, die bei allem verständlichen Drang nach dem Eigenen noch oft einen elterlichen Rat und ihre unterstützende Nestwärme benötigen.

Schuldzuweisungen sind auch keine Lösung

Glücklich können sich also jene schätzen, deren Kinder von klein auf in einem gesunden Verhältnis von Führung und Vertrauen, von Lehren und Loslassen, von Erklären und Erfahrung heranreifen konnten. Deren Erziehung junge Menschen mitgeformt hat, die nicht nur Respekt gegenüber anderen aufbringen mussten, sondern die immer auch selbst respektiert wurden. Die gelernt haben, dass es in der Familie vereinbarte, ethische Grundregeln für den Umgang miteinander gibt. Aber die auch gelernt haben, dass sie alles hinterfragen sollten und hinterfragen dürfen.

Laufen also zuhause die Dinge aus dem Ruder, lohnt die (selbst-)kritische Überprüfung des Verhältnisses – und des elterlichen Anteil daran. Bevor man seinem Kind die Schuld und Verantwortung für eine mögliche Entfremdung jenseits der normalen Teenager-Abnabelung zuschiebt, sollte man sich einer vielleicht unbequemen Wahrheit stellen: Jedes Verhalten des Kindes ist zu großen Anteilen das Produkt der „Erziehung“, der elterlichen Prägung. Eltern bekommen spätestens jetzt die „Rechnung“ für den Umgang mit dem Kind in den bisherigen Jahren präsentiert.

Neue Wege sind auch gute Wege

Aber kein Grund zur Panik! Lernfähig sind wir alle, ein Leben lang. Und in dieser Phase der kindlichen Entwicklung müssen sowieso alle Eltern Neues lernen. Auch jene, die vielleicht weniger emotionale Reibung, weniger Türenknallen erleben.

Der Beziehungs-Experte Sascha Schmidt ergänzt: „Ein herausfordernder Tipp an die Eltern: Lehnt euch zurück und genießt eure pubertierenden Kinder. Last-Minute-Erziehung funktioniert nicht. Was die Kids jetzt brauchen, sind Eltern, die sich als Sparringspartner verstehen – die klar und deutlich signaliseren, was sie als Mutter oder Vater gut finden und was nicht. Und die spürbar leben: Mein Kind, ich liebe Dich, so wie Du bist und egal, was Du machst. Das ist die beste Basis für die stürmische Zeit der Pubertät.“

Die Überprüfung des eigenen Verhaltens und die mögliche Abkehr von starren Erziehungs-Vorstellungen sind spätestens jetzt gefragt: Schließlich wohnen die jungen Menschen (besonders die Jungs) heute deutlich länger im „Hotel Mama“!

 

 




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