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Erweckung einer Vorstadt-Kräuterhexe

Jahrzehnte lang war ich überzeugte Bewohnerin des Metropolenzentrums. Kannte meinen Kiez blind, lebte im Epizentrum des Cool, war sowas wie in. Und träumte heimlich von einem Garten. Meinem Garten.

An Wochenenden sah ich mich dort barfuß mit einem ersten Kaffee vor die Tür in die Sonne treten, um den Fortschritt der Pflanzen zu bewundern, von mir höchstselbst in den Boden gebracht. Als kläglichen Ersatz und wider besseres Wissen stellte ich wieder und wieder Blumentöpfe auf meinen Nordwest-Balkon im dritten Stock. Spätestens im Herbst mussten diese armen Pflanzen halbtot errettet werden. Der Schrebergarten einer Freundin bot ein artgerechtes Weiterleben, sie päppelte diverse Generationen von Rosen auf und eine wunderschöne Magnolie.

Vielleicht schenkt sie mir jetzt eine zurück. Denn seit einem Jahr bin ich out(dors). Lebe mit Kind, Kerl und Katzen in einer Doppelhaushälfte Richtung Stadtrand. Allein dieses Wort sorgte früher für Lachkrämpfe. Doppelhaushälfte, so was denken sich Deutsche aus. Aber ich liebe es. Will für einige bis viele Jahre Wurzeln schlagen wie die Pflanzen in meinen zirka 100 Quadratmeter Garten, die ich im letzten Sommer Krume für Krume, Millimeter für Millimeter umgegraben, geplant, bepflanzt, bewässert und gehegt habe.

Mein Wochenend-Szenario ist nicht ganz so beschaulich, wie ich es damals getagträumt hatte. Stehe ich mit dem Kaffee vor der Tür, sehe ich Arbeit. Immer. Aber immer eine, die weder stresst oder unangenehm ist. Sondern oft eine, die unsere Familie gemeinsam etwas Produktives, Schönes machen lässt. Sogar mein Teenager-Sohn hat Spaß daran, Pflanzen zu beschneiden. Zeichen und Wunder, sage ich nur.

From Disco to Doppelhaushälfte

Wusste ich früher über angesagte Clubs, Vernissagen, Restaurants Bescheid und welcher Film wo grade läuft, begeistern mich heute Saisonangebote im Gartenbaumarkt. Flitze ich samstags noch fix zur Großgärtnerei, weil Dünger fehlt. Oder weil mir eine bessere Gestaltungsidee eingefallen ist als die vom letzten Jahr. Da war ich schließlich noch neu und unerfahren. In diesem Jahr werde ich irgendwo Platz schaffen müssen für mehr Kräuter. Nicht irgendwelche. Sondern Heilkräuter. Gut, dass ich im Frühjahrssortiment von Unimedica das passende Buch zur Anleitung gefunden habe.

Die Autorin Rosemary Gladstar gilt als Pionierin ihres Fachs. Sie gründete 1978 die erste Heilkräuterschule ihres Heimatstaates, die California School of Herbal Studies im Künstlerstädtchen Forestville, Sonoma County. Da ich in diesem Sujet höchstens hinter den Ohren grün bin, lasse ich mich doch herzlich gern von der „Patin der Kräuterkunde“ anleiten.

„Heilkräuter in meinem Garten“ zeigt mir über 230 Seiten voller Rezepte, Tipps und Anleitungen sowie einem umfangreichen Index, wie ich welche der 33 beschriebenen Kräuter anbaue. Zeichnet den Weg vom Beet in die Küche, erklärt die Wirkungen und die Möglichkeiten einer grünen Apotheke. Dabei gedeihen weitaus mehr Pflanzen eher nicht in meinem nordeuropäischen Garten. Aber ich habe ja eh nicht soviel Platz – und was ich sonst brauche, kann ich sämtlich auf dem Markt kaufen und zu heilenden Helfern machen kann.

Eine Apotheke Marke Eigenbau

Aloe-Vera-Gel zum Beispiel gegen Blasen, Hautirritationen, Sonnenbrand oder für eine bessere Narbenbildung hält sich ausgeschält und püriert ein paar Wochen im Kühlschrank. Für jeden Sommer gut zu wissen. Wie wäre es mit Holunderblütensirup im Winter? Er stärkt das Immunsystem und hilft Fieber „auszuschwitzen und bei der Rekonvaleszenz nach Erkältungen und Grippe. Unbedingt teste ich Gladstars hausgemachte Feuchtigkeitscreme, auch dieses Rezept fehlt nicht.

Schlafprobleme? Dann her mit einer Zimt-Ashwagandha (Schlafbeeren)-Milch, selbst gemacht und sehr beruhigend. Ingwer ist bei Arthritis und Gelenkproblemen, Rosmarin bei Migräne und Kopfschmerzen ist angezeigt; auch die Lavendel-Migräne-Tinktur mit Mutterkraut wird in mein kleines Hexenhäuschen Einzug halten. Ob die mich so ausgestattet und gewappnet immer noch so regelmäßig in die Knie zwingt – ich wage zu hoffen.

Ich kann hier nicht alles vorweg nehmen, aber durchaus meine Begeisterung teilen. Nichts von dem Wissen ist zu kompliziert oder geheimwissenschaftlich für eine Großstadtpflanze wie mich. Im Gegenteil: Ich werde dieses Buch ab sofort flächig durch die Geburtstage streuen, um diese wertvollen Informationen zu verbreiten – und vielleicht auch, um ein paar mehr Freunde in meine Stadtrandlage zu locken. So ein eigener Garten ist schließlich nicht nur begehrenswert, sondern auch extrem sinnvoll.

Gladstar_Heilkraeuter_in_meinem_Garten_Cover_72dpiRosemary Gladstar, „Heilkräuter in meinem Garten“, 230 Seiten, farbige Abbildungen, 19,80 €, ISBN 978-3-944125-39-8

 

 

 

 

 

 




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