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Typisch Anfänger! Die 10 größten Fehler der Yoga-Newbies

Spätestens wenn wieder ein Artikel zur Verletzungsgefahr beim Yoga durch die Medien geistert, ist es Zeit, über Anfängerfehler zu sprechen. Ich bezeichne mich auch nach einigen Jahren Yoga eher als Anfängerin – oder versuche mich höchstens an Übungen für die „Mittelstufe“. Und habe meine eigenen Erfahrungen zur Grundlage genommen, um ein paar Punkte zur Frage zu sammeln: Wie sollte es nicht laufen.

Fehler 1: Irgendein Yoga machen wollen

Eine diffuse Ahnung davon, was beim Yoga gemacht wird, hat jeder. Spricht man fünf Menschen, die bisher kein Yoga praktizieren, darauf an, fallen mit Sicherheit mindestens je einmal die Worte „Kissen“, „Atmen“, „Verrenkungen“ und „Om“. Natürlich kann man sich verrenkt auf ein Kissen setzen, dabei atmen und Om singen. Aber mit Yoga oder Achtsamkeit hat das nicht viel zu tun.

Mein Tipp: Macht euch schlau, bevor ihr anfangt. Beantwortet euch die Fragen: Was wollt ihr? Welche Richtung könnte etwas für euch sein? Dynamisch oder ruhig, akrobatisch oder sehr achtsam? Darf Gesang dabei sein, oder wollt ihr möglichst ohne spirituelle Rituale üben? Für jeden Ansatz findet ihr im westlichen Yoga eine Vielzahl von Möglichkeiten

Interessanter Hinweis übrigens: Für eher ruhige Typen sollen dynamische Stile eher empfehlenswert sein und umgekehrt. Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Aber probiert es aus, in Stein gemeißelt ist das natürlich nicht.

Fehler 2: Nur das eine wahre Yoga machen wollen

Es gibt nicht „das“ Yoga, das als Einziges richtig und gut ist. Ich war anfangs nach meinen Recherchen überzeugt, dass ausschließlich Hatha-Yoga für mich in Frage kommt (ich dachte nämlich, das sei so schön unangestrengt. Haha). Mittlerweile habe ich meine persönliche Mischung gefunden und höre erstmal in mich hinein, bevor ich eine Übungssequenz oder eine Online-Stunde bei einem bestimmten Lehrer aussuche.

Was euch gestern noch den totalen Flow gebracht hat, kann heute einfach nicht passend für euch sein. Deswegen ist es nicht automatisch „falsch“. Es ist nur einfach nicht der Zeitpunkt dafür. Fertig.

Fehler 3: Sofort zu viel wollen

Das ist wohl bei jeder Sportart (und jedem Hobby), mit der man neu beginnt, ein Problem. Allerdings bringt Yoga eine Besonderheit mit, denn eine „Wirkung“ oder Veränderung stellt sich sehr schnell ein, nicht erst nach Monate langem, intensiven Training. Ich habe aus Zeitgründen tatsächlich eine Zeitlang nur eine Viertelstunde Yoga täglich praktiziert – und es war sehr angenehm und hat mich weiter gebracht.

Andererseits habe ich auch den Fehler gemacht, ein 1,5-Stunden-Programm auf Anhieb mit aller Gewalt durchzuziehen. Ich war danach in irgendeinem komischen Zustand (ich glaube, man nennt es überdreht) und bin beim Einkaufen in ein Regal gerannt.

Am nächsten Tag tat mir alles weh und ich dachte, ich müsse einfach gegen den Schmerz antrainieren. Keine gute Idee. „Hör auf dich selbst und auf deine Grenzen“ klingt im ersten Moment diffus und ein bisschen esoterisch, hilft aber ungemein. Vor allem dabei, längerfristig gesunde Gelenke zu behalten, übrigens!

Fehler 4: Zu wenig wollen

„Hör auf dich selbst“ heißt nicht, jeder Jammeransage des inneren Schweinehunds gleich Folge zu leisten. Der erinnert sich nämlich immer sehr gut an irgendwas mit „Kissen“ und „Atmen“ und vor allem „Stillsitzen“. Das motiviert euch kaum, euch vom Sofa zu erheben und die Matte auszurollen.

Fehler 5: Dogmen folgen

„Du kannst Yoga nur im Studio lernen.“ „Ohne einen ausgebildeten Lehrer, der die folgenden 22 Zertifikate hat, geht gar nichts und du wirst dich verletzen.“ „Du musst diesem Guru XY folgen, das ist das Einzige und Wahre …“ Stop. Nein. Ihr macht Yoga für und mit euch. Nicht für einen Guru, nicht für Instagram, nicht für … wen oder was auch immer.

Natürlich macht es Sinn, mit einem erfahrenen Lehrer zu arbeiten, der Haltungsfehler korrigieren kann. Der ist aber deswegen kein Guru oder euer neuer Meister, sondern ein Wegbegleiter, der hilft. Wer jedem Lehrer mehr vertraut als seinem Körpergefühl oder gar dagegen an geht, riskiert, dass sein Yogaweg in Frust endet (oder manchmal auch im Wartezimmer). Es soll nicht um Ehrgeiz gehen, sondern um Achtsamkeit und eben auch das Akzeptieren von Grenzen.

Studios sind eine gute Sache – wenn sie zu dir passen. Ich persönlich praktiziere nicht gern mit mehreren Menschen zusammen in einem Raum. Deshalb dachte ich einige Monate lang, Yoga und ich könnten keine Freunde werden. Bis ich Yoga-DVDs und Online-Angebote (wie das von YogaEasy) entdeckte. Ich gucke mir mittlerweile erst die komplette Folge an, bevor ich beim zweiten Durchlauf mitmache. Ich habe für mich dann die Sicherheit, dass ich verstehe, was gemeint ist, und muss keine Asana unterbrechen, um nachzusehen oder zurück zu spulen.

Ja, was fehlt, ist das direkte Feedback. Oder auch nicht, denn wenn ihr wirklich ehrlich und achtsam mit eurem Körper zusammen übt, gibt er Feedback und zeigt, was in Ordnung ist und was nicht.

Das allerdings ist wirklich eine persönliche Entscheidung. Denn vielen gefällt es eben gerade, im Studio, unter Anleitung eines Lehrers und zusammen mit anderen zu üben. Das Schöne: Heute ist eben alles möglich.

Fehler 6: Übertreiben und sich etwas vormachen

Noch einmal zu den Grenzen: Ich gestehe, dass ich anfangs zwei große Fehler gemacht habe. Ich habe, wenn etwas schmerzte, gerne mal gedacht, das müsse so sein. Eine angenehme Dehnung zu spüren ist okay und etwas völlig anderes als ein heftiges Ziepen oder gar Schmerz. Das hinzunehmen und vor mir selbst zu behaupten, das sei ja nur eine wohltuende Dehnung, war dumm und gefährlich.

Außerdem habe ich, grob gesagt, meine persönlichen Schwachstellen ignoriert. Ja, Yoga ist für jeden geeignet, wird sogar bei Multipler Sklerose, Depressionen und anderen Beschwerden empfohlen. Senioren oder gar Rollstuhlfahrer praktiziert Yoga – angepasst auf ihre Bedürfnisse.

Mit über 40 und einer Wirbelsäule, die ein bisschen „originell“ geformt ist, habe ich diese „speziellen Bedürfnisse“. Ich mag zum Beispiel den Pflug sehr, habe mich aber trotzdem davon verabschiedet. Mein Rücken ist dankbar. Meine Ärztin ist beruhigt. Es gibt wirklich genug andere Übungen, die zu mir passen.

Ein Hinweis: Wer Probleme mit Augendruck hat, sollte erst einen Mediziner konsultieren: Schulterstände oder Pflug-Positionen können empfindliche und unschöne Auswirkungen auf Halswirbel und Seh-Organ haben!

Fehler 7: Der ewige Vergleich (mit anderen)

„Kommst du im herabschauenden Hund mit dem ganzen Fuß auf den Boden?“ war anfangs DIE Frage für mich. Schaffte ich das nicht, war ich in meinen Augen kein „richtiger“ Yogi. Mittlerweile würde ich die Frage mit „Nein, warum?“ beantworten.

Nein, meine Ferse steht im herabschauenden Hund nicht auf dem Boden – nicht so wie die in dem Video / der auf der Matte neben mir / diese gütig lächelnde Yoga-Prominente in der Talkshow, die ihr neues Buch vorstellt. Nein, meine Ferse macht das nicht, meine Flexibilität und Elastizität sind anders. Na und?

Ich sehe auch nicht aus wie die Dame in dem Video, die nicht schwitzt, die ganze Zeit lächelt und offensichtlich eine Terrasse vor einem sonnigen Hintergrund mit Meer und/oder Bergen für ihre Yoga-Übungen zur Verfügung hat. Und den einen unglaublichen Bizeps und die edlen Yogaklamotten habe ich auch nicht. Und das ist völlig okay so.

Aber ja, es zu akzeptieren fällt erstmal schwer! Ziel sollte trotzdem nicht sein, zu werden „wie die“. Das Ziel ist, sich mit Yoga gut zu fühlen. Ziele sind eine gute Sache. „Ich will so schlank, schön, ausgeglichen, gelenkig, jung sein wie die doofe Bitch auf der Nachbarmatte“ – das ist allerdings kein Ziel. Also, nicht im Yoga 😉

Fehler 8: Eigene Fortschritte nicht erkennen und aufgeben

Das wird nie was? Eure Beine sind nicht gestreckt genug, ihr bekommt den Fuß nicht geschmeidig zwischen die aufgestützten Hände, eure Arme nicht in die Adler-Position gewickelt?

Mir hat es geholfen, mich mit mir selbst zu vergleichen und mich zu beobachten. Wie hat sich das vor drei Monaten angefühlt? Vor sechs Monaten? Gestern? Geht es jetzt leichter? Ja? Ja! Es gibt kein besseres Gefühl. Und schließlich ist niemand jeden Tag gleich gut „in Form“. Geduld, Achtsamkeit! Sich zu stressen, ist kontraproduktiv.

Zwei hier meiner ganz privaten Yoga-Fehler, die ich immer wieder mache:

Fehler 9: Der Blick unters Sofa

Selbsterklärend, oder?

Und:

Fehler 10: Mir nicht genug Platz frei räumen

Ich habe immer wieder gelesen, dass es ausreicht, einen Platz zu haben, wo ich meine Matte ausrollen kann. Ich bleibe auch meistens auf der Matte und das genügt. Aber ganz ehrlich: Manchmal dekoriere ich unfreiwillig die Wohnung um. Gegen den Wohnzimmertisch zu stoßen oder mit den nach hinten gestreckten Armen die Bücher aus dem Regal schubsen, ist unnötige Ablenkung und nicht Sinn der Sache.

Eigentlich kann ich meine Yogaerfahrung als Anfängerin in einem Satz zusammenfassen: Hab Geduld und sei lieb zu dir selbst.

Oder um es mit den Worten der VIP-Yogalehrerin Maya Fiennes zu sagen:

Smile! It is funny!

 


  1. Daniela-Anna

    Danke für diesen Artikel 💟Sehr authentisch geschrieben 👌🏻 so ist nun mal die Realität!!! Und wie so oft im Leben (nicht nur im Yoga und auf der Matte) sollte man voll und ganz bei sich sein ! Öfters mal sich selbst und den Körper zu hinterfragen und zu reflektieren !!! Sich so anzunehmen wie man ist mut allen Ecken und Kanten !!! Wir sind alle Individuen und nun mal auf unsere ganz spezielle Weise individuell 😊✌🏻️!!! Also ich stelle mich jeden Morgen nach dem aufstehen vor den Spiegel und sag meinen Spiegelbild : ich bin ich und ich liebe mich so wie ich bin ✌🏻️! Alles positive beginnt in und mit dir 😍 !!! 😘Selbstliebe !!!!

  2. Anna

    Toll geschrieben. Ich finde mich in einigen Punkten wieder! Nach meiner ersten DVD-Begegnung mit Maya Fiennes war ich hinterher auch völlig „abgedreht“ und mit Glückshormonen überflutet. Habe mich selbst nicht mehr erkannt. *g* Und mittlerweile habe ich auch von einigen Übungen Abstand genommen, die ich vorher geliebt habe, gehört leider auch der Pflug dazu. Und der Blick unter die Couch… was ich da schon alles entdeckt habe… ;))

    Lieben Gruß
    Anna


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