POCS

Wir sprechen drüber: das PCO-Syndrom

Sina (Name geändert) ist Anfang 30, gesund, sportlich, ernährt sich gut – und hat Sex, aber wird nicht schwanger. Sie menstruiert nicht einmal mehr, seitdem sie die Pille abgesetzt hat. Sondern hadert seit kurzem mit einer verstörenden Diagnose: Sina leidet am PCOS.

Das Polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) ist die häufigste hormonelle Störung bei europäischen Frauen im gebärfähigen Alter – und damit die häufigste Ursache für Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit. In Deutschland sollen 1 Mio. Frauen betroffen sein; weltweit spricht man je nach Quelle (Studie) von 5 – 15 % aller Frauen im gebärfähigen Alter .

Viele Frauen, die viele Fragen haben. Die meisten davon begeben sich nach ihrer PCOS-Diagnose auf eine beschwerliche bis frustrierende Antworten-Odyssee. Denn obwohl PCOS so häufig vorkommt, ist es in den Medien eher unterrepräsentiert.

Was ist PCOS?

Es gibt viele unterschiedliche Ausprägungen, weshalb eine Diagnose bisweilen sehr lange dauern kann. Kurz zusammengefasst liegt ein PCO-Syndrom vor, wenn sich im Eierstock mehrere vergrößerte Eizellen befinden, die aber nicht „springen“, also nicht durch den Eileiter in die Gebärmutter gelangen. Statt dessen bleiben diese Eizellen in den Eierstöcken und bilden dort sogenannte Eibläschen; die polyzystischen Ovarien.

Sinas Syndrom stellte eine Ultraschall-Untersuchung ihrer Gynäkologin sicher, nachdem ihre Menstruation als Folge des fehlenden Eisprungs ausblieb. Ein Hormontest ergab den PCOS-typischen erhöhten Androgenspiegel; bei anderen zeigt die Untersuchung eher einen zu niedrigen Östrogenspiegel (diese Wechselwirkung ist sehr kompliziert und daher weitaus komplexer als hier beschrieben). Oft steht das PCOS in Verbindungen mit Fehlfunktionen der Nebenniere, Schilddrüse oder Hypophyse.

Etwa 50 % der betroffenen Frauen sind übergewichtig, was durch die Wechselwirkung von Insulin und der Androgenproduktion zu erklären ist. Häufig wird hier ein Diät- und Bewegungsplan entworfen, um die Symptome zu drosseln. Aber auch viele schlanke Frauen sind betroffen; hier fehlen der Wissenschaft bislang die Erklärungen und eindeutigen Ursachen. Was Normalgewichtige tun können, lest ihr im weiteren Verlauf.

Weitere mögliche PCOS-Symptome:

  • Verlängerter Zyklus oder Ausbleiben der Menstruation
  • Unfruchtbarkeit, vermehrte Fehlgeburten
  • Akne
  • Haarausfall
  • Vermehrte Gesichtsbehaarung
  • Diabetes mellitus
  • Bluthochdruck
  • Depression/ depressive Stimmung

Mögliche langfristige Folgen von PCOS:

  • Höheres Risiko für Herzinfarkt, Diabetes, Krebs, Osteoporose und Demenz.

Das Syndrom gehört also nicht auf die leichte Schulter. Völlig unabhängig davon, ob ein Kinderwunsch an der Diagnose hängt oder nicht.

PCOS – und wie weiter?

Eine Therapie ist immer davon abhängig, ob die Betroffene – wie in Sinas Fall – Kinder bekommen möchte. Ist das nicht der Fall, verschreiben Mediziner häufig die Anti-Babypille, um für einen regelmäßigen Zyklus zu sorgen. So beugt man ebenfalls den eventuellen langfristigen Folgen vor.

Doch was tun bei Kinderwunsch? Hier bleibt neben Ernährungsumstellung und Bewegung (Lebensstil-Veränderungen, die bis zu 75 % der betroffenen Frauen helfen) fast nur noch eine Hormontherapie, die den Eisprung auslöst. Beide Ansätze bekämpfen leider nur die Symptome. Medizinisch gesehen ist das PCOS nämlich nicht heilbar.

Um aktiv darauf zu reagieren, rücken also die individuellen Lebensumstände ins Licht. Sina versucht inzwischen bewusst, ihren Blutzuckerspiegel stabil zu halten – sprich: sie isst regelmäßig Kohlenhydrat-arme Kost (neudeutsch Low-Carb) und sorgt in ihrem Speiseplan für mehrkettige Kohlenhydrate, pflanzliche Fette und Omega 3-Fettsäuren, viel Gemüse, Sprossen sowie zwischendurch etwas Obst. Zucker und zuckerhaltige Produkte hat sie auf den Index gesetzt. Immer mal wieder gibt sie eine Prise Zimt ins Essen, das soll ausgleichend auf den Insulinspiegel wirken.

Das gilt generell für ballaststoffreiche Ernährung. Deshalb kommen jetzt öfter Chiasamen, Kokosmehl, Haferkleie oder Leinsamen ins Spiel (letztere wirken sich übrigens positiv auf den Östrogenspiegel aus).

Sanfte Bewegung, speziell nach dem Essen, bringt ihren Körper in Schwung und treibt die Glucose schneller ins Blut. Zu ihrem neuen Lifestyle legt Sina nach dem Mittag, so oft es möglich ist, für 5 bis 10 Minuten einen Verdauungsspaziergang ein. Sport gehörte schon immer in ihre Woche, inzwischen hat sie ihre Routine noch ein bisschen bewusster gestaltet – statt sich wie früher mit Ausdauer-Laufen zu stressen, macht sie inzwischen zweimal wöchentlich Yoga – das hat nachweislich auf mehreren Ebenen des Organismus regulierende und optimierende Effekte.

Kleine Zugeständnisse, große Wirkung

Koffein-Freundinnen unter der PCOS-Patientinnen möchten vielleicht auch ihr Aufsteh-Ritual überdenken: Denn der Guten-Morgen-Kaffee ist unter Umständen ein ungünstiger Start. Wie eine 2012 durchgeführte Untersuchung zeigte, senkt der Koffein aus der Bohne bei einigen Frauen den Östrogenspiegel. Diese Aussage galt allerdings nur für weiße Amerikanerinnen, die am Versuch teilnahmen – bei Frauen anderer Ethnien hob Kaffee den Östrogenspiegel. Und Grüner Tee wäre ohnehin weiterhin erlaubt. Mediziner gestehen betroffenen Frauen aber 1 bis 2 Tassen Kaffee am Tag zu. Also kein Grund zur Panik.

Des weiteren ist Stress immer eine schlechte Idee. Er hat starke Auswirkungen auf den sensiblen weiblichen Hormonhaushalt und kann ihn zusätzlich aus der Balance bringen. Wenn’s hektisch und anstrengend wird: Probiert einmal Maca oder Ingwer, z. B. in Form von Nahrungsergänzungsprodukten. Beide steigern die Stressresistenz und macht euch etwas entspannter.

Auch diverse Heilkräuter können den Hormonhaushalt regulieren helfen: Mönchspfeffer, Süßholzwurzel (als Tee), Zimt, Frauenmantel (als Tee), Himbeerblätter (ebenfalls als Tee) oder ein Mix aus Heilkräutern, den ihr  in der Apotheke mischen lassen könnt.

Jede PCOS-Geschichte ist so individuell wie die Frau dahinter. So lange weder Ursachen noch Therapien als gesichert gelten, sind also die Behandlungen und ihre Erfolge sehr unterschiedlich. Von daher gilt: Probieren, probieren, probieren und optimistisch bleiben. Es gibt Frauen, die mit Tees ihren Zyklus wieder reguliert haben. Und es gibt Frauen, die auf nichts wirklich zu reagieren scheinen. Dass die Seele hier mitspielt, scheint mehr als deutlich.

Über diese Links findet ihr weitere Infos zum Thema:

http://www.pcos-selbsthilfe.org/pcos

http://www.zentrum-der-gesundheit.de/polyzystisches-ovarialsyndrom.html

http://www.pco-syndrom.at/behandlung.html

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/pcos-antibabypille-und-sport-helfen-gegen-die-hormonstoerung-a-982397.html

 

 


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