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Palmöl – der Killer sind wir

Aktuell brennen im indonesischen Borneo tausende möglicherweise durch Palmöl-Unternehmen beauftragte Großfeuer im Regenwald. Die außer Kontrolle geratenen Brände vernichten Lebensraum und Leben: Bereits bedrohte Tiere wie Jaguar, Tiger und Orang-Utan verbrennen zu hunderten oder sterben an Rauchvergiftungen. Ein Drittel der Weltpopulation der geschützten Affenart ist damit in Gefahr. Inzwischen haben aufgrund der fatalen Rauchentwicklung mehrere Provinzen den Notstand ausgerufen, eine halbe Million Menschen leidet an Atemwegserkrankungen.

Internationale und nationale Tier- und Naturschutzorganisationen machen auf Brandrodungen wie diese seit Jahren aufmerksam – aber die Interessenverbände der Ölpalmen-Anbauer in Südostasien sind mächtiger und finanzkräftiger. Denn ihr Produkt Palmöl ist ein Exportschlager und in jedem zweiten Supermarktprodukt versteckt, wie der WWF (World Wildlife Fund) schreibt: „60 Millionen Tonnen Palmöl werden weltweit produziert – angebaut auf 17 Millionen Hektar (FAO 2014).“

Etwa 70 % aller Nahrungsmittel enthalten Palmöl. Das preiswerte Pflanzenöl (das übrigens kaum Gutes zu eurer Ernährung beisteuert) fließt in Schokolade und Lippenstifte, Haushaltsreiniger, Chips, Kekse, Shampoos, Tierfutter, Eis am Stil, Arznei – und ist als solches in jedem Haushalt Standard. Nutella im Schrank? Prompt dabei.

Die Industrie will auf diesen Allrounder-Rohstoff weder verzichten, noch soll er teurer werden – was biologischer Anbau natürlich ist. Den gibt es und jeder Konsument könnte sich zumindest bei einigen Haushaltsprodukten ein paar Flecken von der schmutzigen Weste reiben. Und wer bei Kosmetik auf Siegel achtet: nur wenn BDIH draufsteht, seid ich auf der momentan weitgehend sicheren Seite. Ecocert etwa erlaubt die Verwendung des unzertifizierten Pflanzenstoffs.

Konsumenten sind also mindestens in derselben Pflicht wie Produzenten: Was ihr nicht kauft mit eurem hart verdienten Geld – das wird so in Zukunft auch nicht mehr produziert.

Während sich die Giganten unter den Palmöl-Verwendern, Pharma- und Futtermittelhersteller, der Transparenz in Sachen Palmöl hartnäckig verweigern, sieht der WWF zumindest Lichtlein am Horizont. So bekam neben wenigen andern Nahrungsmittelproduzenten in Deutschland auch Rapunzel, dessen Produkte seit 40 Jahren in Bio-Qualität produziert werden, in Sachen Palmöl unlängst den Daumen hoch beim WWW-Check.

Seit Anfang 2015 müssen Unternehmen Palmöl genau auf ihren Verpackungen benennen – früher konnten sie den kritischen Rohstoff hinter einem wenig konkreten „Pflanzenöl“ verstecken. Schaut also beim Einkauf (oder auch quer durch euren Haushalt), was da alles so in euren schönen Sachen und Leckereien steckt. Wer viel Frisches und keine verpackten „Lebensmittel“ kauft, ist zumindest bei Alltagsprodukten wie industrieller Nahrung aus dem Schneider.

Wird Palmöl mit dem Zusatz RSPO angegeben, ist wenigstens ein kleiner Schritt in die richtige Richtung getan. Der seit 2005 etablierte „Runde Tisch für Nachhaltiges Palmöl (Round Table for Sustainable Palmoil)“, an den sich auch der streitbare WWF gesetzt hat, steht zumindest für die Einhaltung von Mindeststandars im Ölpalm-Anbau. Über 2000 Mitglieder sind dem RSPO angeschlossen, der sich für eine Verschärfung bestehender Anbaurichtlinien einsetzt. Das ist noch nicht viel, aber auch nicht wenig.

Ziel des WWF ist es, diesen Mindeststandard weit zu übertreffen, damit die letzten Urwälder der Welt – mit allen bekannten Konsequenzen auch für die Menschen – nicht ebenfalls der wachsenden Nachfrage zum Opfer fallen.

– Alle Unternehmen sollen zusätzlich ihre Lieferanten in die Pflicht nehmen und über die Mindestanforderungen des RSPO hinausgehende Kriterien einfordern.

– Gekauft werden sollte laut WWF nur noch Palmöl von Produzenten,

  • die bestätigen, dass ihre Plantagen nicht auf Torfböden oder Flächen mit hohem Kohlenstoffgehalt angelegt werden
  • die sich verpflichten, zumindest auf hochgefährliche Pestizide (…) zu verzichten
  • die Treibhausgas-Emissionen ihrer Plantagen und Ölmühlen sofort öffentlich machen sowie klare Reduktionsziele für Plantagen und Mühlen ausweisen
  • deren gesamte Palmfrüchte ausschließlich und nachweisbar aus legalen Quellen stammen.

(Auszug aus der WWF-Scorecard, die ihr über die WWF-Website downloaden könnt. Hier findet ihr sowohl die Methodik der Punktevergabe als auch die Rankings einzelner getesteter Firmen.

Unsere Autorin Nath Fedorova beschäftigt sich mit diesem Thema intensiv und seit langem. Auf ihrem englischsprachigen Blog Beautycalypse findet ihr erhellende Ergebnisse ihrer Recherchen sowie Produkt-Empfehlungen, die jeden von uns mit diesem brenzlichen Thema schon etwas besser umgehen lassen.


  1. BEAUTYCALYPSE

    Ich finde es wahnsinnig wichtig und richtig, dass Ihr das Thema hier ansprecht. Gerade der holistische yogische Lebensstil sollte es einem Wert sein, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen und unnötiges Leid zu vermeiden. (Zumal wir doch alle gerne atmen, nehme ich mal an, und die Regenwaldrodung hat jetzt schon irreparable Schäden verursacht…)

    Und auch herzlichen Dank, dass Du mich hier erwähnst, denn PO und die Menschen darüber aufzuklären, sei es auf Unternehmensseite, sei es auf Konsumentenseite, ist eines meiner mir wichtigsten Anliegen <3


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