Packen_Reise_Koffer

Ginger reist: Die Typologie des Packens

Es geht wieder los: Wir machen uns auf die Socken Richtung Kurztrip, große Sommerreise, verlängertes Wochenende. Deutsche haben den Ruf der Reiseweltmeister zu verteidigen. Da sollten sie Profis in Sachen smartes Kofferpacken sein.

Wie jemand packt, sagt einiges über den Menschen, der den Koffer, die Reisetasche, den Rucksack belädt. Da tummeln sich schon arg unterschiedliche Typen. Die einen – dazu gehöre ich – sammeln tagelang vorher im großen Koffer alles, was ihnen in den Tagen so einfällt. Und filtern am Abend vorher alles aus, was nicht wirklich sein muss. Die anderen werfen last minute sämtliche Basics in eine große Tasche, Papiere, Geld – fertig.

Wir haben für euch ein paar dieser Typen und ihre Eigenarten skizziert – und ein paar kleine Tipps fürs intelligente Packen.

Der Business-Traveler: BT

Er oder sie ist in der Regel mit allen Reisewassern gewaschen. Sofern man nicht packen lässt (oberste Management-Klasse), hat der BT ein eingeübtes, stets probates Muster, das er abruft. Die Garderobe ist knitterfrei und in einem Farbguss, damit alles zu allem passt. Tipp: Schwarz geht immer. Essentials wie Kulturbeutel oder Unterwäsche sind im Prinzip vorgepackt und leben autark in eigenen kleinen Taschen und Behältern (respektive teilweise in dem Paar Sneakers, das der BT eventuell für den Hotel-Fitnessraum braucht), um stets von jetzt auf gleich aufbrechen zu können. Vom BT lernen wir, dass man seine Sachen idealer Weise rollt, um den Kofferplatz maximal auszulasten. Am Security Check der Flughäfen erkennt ihr einen BT daran, dass er die Jacke ausgezogen hat, bevor man ihn darum bitten müsste, Gürtel und andere Piep-gefährliche Accessoires sowie elektronische Geräte landen zack im eigenen Durchleuchtungs-Container – und Diskussionen um erlaubte Flüssigkeiten sind einem BT so fremd wie dem Hochadel das Konzept Wochenende.

Der Seesacktyp

Ein bisschen Popeye steckt in jedem Mann. In manchen steckt ein bisschen mehr. Ähnliches gilt gleichermaßen für deren favorisierten Pack-Container: der Seesack. Der mehr ist als ein Behälter für allerlei und jedes und von allem erstaunlich viel. der Seesack signalisiert zugleich eine Lebenseinstellung. Er sagt: Mein Besitzer ist ein freier Geist, er hat Bräute in Häfen und bleibt nie lang an einem Ort. Weil dieser Typ Mann – und Seesack-Packer sind IMMER Männer – ein aus der Zeit gefallener Lebenskünstler ist (oder es wenigstens gern wäre), stimmt für ihn das Klischee „harte Schale, weicher Kern“: In seinem Seesack – der ein magischer Behälter ist – findet man ein ganzes Leben, den alte Teddy „Bär“ aus Kinderzeiten inklusive. Seesackreisende sind in aller Regel eine ideale Adresse, wenn man mal Hilfe benötigt. Sie zaubern alles aus dem Sack, vom Hühneraugenpflaster bis zu handgeschöpftem Papier, um Mutti einen Gruß aus der Fern zu schicken. Denn ja: Dieser Typ ist ein Romantiker. Die stets die Sehnsucht treibt: Eines Tages findet sie mich, die Frau, die einen Platz frei hat für meinen Seesack. Und ein Herz für mich.

Herr und Frau Pingelig

Diese Pack-Type lebt in einem Kaleidoskop der Hochglanzprospekte. Sie ist das Ideal der Werbeindustrie, der Motor der kapitalistischen Konsummaschine. Die Einbauschränke bei Pingeligs haben klinisch gereinigte Krawatten-Spezialfächer und verblüffen allgemein durch eine breite Kenntnis optimal platznutzender Ordnungssystem-Elemente. Neugierige Besucher, die gern heimlich fremder Leute Schubladen aufziehen, finden bei Typ P stets haarfein gefaltete und perfekt verräumte Garderobe vor. Oberflächen sind gestriegelt, nichts landet hier unter dem Teppich außer der akkurat zugeschnittenen Anti-Rutsch-Matte. Entsprechend neurotisch packt der/die Pingelige: Zufall oder Fehler sind Fremdwörter für sie, ihre Reisezahnbürste würde nie ihre Reisezahnpasta vermissen müssen, ihr Travel-Fön ist so etwas wie der Tesla unter den Haartrocknern, und durable Packtüten halten für die Dauer der Reise Getragenes säuberlich von Frischem fern. Kein Wunder: Sie buchen gern Einzelzimmer. Gut so, denn neben ihnen kommt sich ein Normalmensch vor wie die gesamte sofasitzende Familie Hempels in einer Person.

Die Hysteriker

Ja, sie wissen: Es wird eng. Knapp. Teuflisch haarscharf werden sie ihren Flieger, ihre Bahn, den Bus erwischen. Deshalb stehen sie lieber schon 2 Stunden vorher am Check-in-Schalter. Wo sie kramen. In jeder einzelnen ihrer randvoll gepackten Taschen mit allem, was die Reise braucht, und dann noch einmal 100 % Extragewicht an Vielleicht-Nötigem finden sie etwas nicht, was sie „ganz sicher hier reingetan haben!!“. Was sie im Moment zwar absolut nicht benötigen – vielleicht ihre Sammlung an Spezial-Steckdosenadaptern fürs Ausland, man weiß ja nie. Aber sie möchten sofort sichergehen, dass es da ist. Zum x-ten Mal. „Oh Gott, es ist nicht da! Ich habe es vergessen. Oder habe ich es hier rein getan?“ So geht das die gesamte Reise. Ähnlich wie der Seesack-Träger sind die Pack- und Reise-Hysteriker gute Kandidaten, falls man selbst etwas Nützliches vergessen hat, zum Beispiel ein Feuchttuch oder eine Pinzette. Nur: Den Rattenschwanz an Sozialkontakt inklusive „too much information“ über Sogutwiealles aus dem Leben eines Hysterikers – auf den verzichtet man doch lieber. Hysterikern muss man mit viel Geduld und Liebe begegnen, damit man sich nicht nicht plötzlich um einen Beinah in der Sicherheitsschleuse mitkümmern muss. Sitzt Hystie dann endlich das Billet umklammernd am Gate, braucht man grad dringend ein Getränk / kommt gleich wieder / hat jemanden gesehen, den man begrüssen muss … Auf jeden Fall ist Abstand geboten, um die eigene Reise nicht gleich fremd-bestresst zu beginnen. Für den Fall, dass man im Flieger leider, leider den Platz neben einem Hystie erwischt hat, ein Vielreiser-Tipp: Ohrstöpsel und Schlafbrille gehören immer, immer ins schnell greifbare Handgepäck.

8 Packtipps für jede Reise-Gelegenheit:

Nehmt nur das Nötigste mit. Legt alles raus, was ihr mitzunehmen gedenkt – und dann sortiert die Hälfte wieder zurück. Packt lieber mehr Geld ein – und investiert sie in Andenken an eure Reiseabenteuer. Oft findet man an fremden Orten schöne Sachen, die zuhause einen Unterschied machen!.

Packt mit Bedacht und nutzt den Raum. Gerollte Garderobe nimmt weniger Platz in Anspruch als Gefaltetes. Oder gar achtlos zusammengelegtes – ein echter Platzräuber! Socken und Unterwäsche sowie Gürtel gehören in die Schuhe – gern in kleine Stoffbeutel, die euch am Reiseort stets das Wiederfinden erleichtern.

Ins Handgepäck gehören … ein Sarong, ein Tuch oder ein breiter Pashminaschal. Sie sind super hilfreich als Decke auf dem Reiseweg, als Halstuch, wenn der Wind bläst und als schickes Abend-Accessoire, wenn ihr ausgeht.

Stofftütchen – ein Reise-must-have! Ich ziehe Stofftüten den Plastikbehältnissen vor, in die man Kleingegenstände, Accessoires oder auch Bikinis oder Unterwäsche verpackt. Deshalb „borge“ ich mir in guten Hotels gern die Schuhputzbeutel aus.

Verzichtet auf das Essen im Flieger. Mitgebrachtes schmeckt besser – das hat mir einmal ein Lufthansa(!)-Steward lobend bestätigt, als er meine Sushi-Box für den Langstreckenflug auf meinem Tischchen sah. Verzichtet auf alles, was beim Sitzen für Luft in euren Verdauungsorganen sorgt (Salat, Süßigkeiten, Kekse) – dann übersteht ihr entspannt den Reiseanweg.

Teilt den Platz im Koffer. Wer zu zweit reist, ist hier klar im Vorteil. Weil immer häufiger Koffer verloren gehen und/oder zu spät ankommen, macht es Sinn, beide Koffer mit den wichtigsten Sachen zu beladen. Dass gleich zwei Koffer perdu gehen, ist selten 😉

Länger auf Reisen? Packt den Multi/Doppelstecker ein. Mehr Auflade- USB-Stationen als eine ist in in vielen Unterkünften häufig nicht vorgesehen. Dasselbe gilt für Steckdosen …

Geht mit Kopien auf Nummer Sicher. Vom Reisepass hinterlasst ihr am besten eine Kopie zuhause, eine nehmt ihr mit auf reisen. Ihr stellt das Auto ab am Flughafen? Dann macht it dem Handy ein paar Bilder von Auto und Standort … Dasselbe gilt für euer Gepäck und den Inhalt, für den Fall, dass es verloren geht.


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