Mittagschlaf

Pause! Die Superkräfte des Mittagsschlafs  

Geht es nur mir so, dass ich mich im Moment oft schnell mal weglegen möchte? Und es auch mache, sofern es meine Arbeit zulässt. Mittagsschlaf heißt mein Zauberwort, wenn ich mich nicht mehr sprudelnd kreativ fühle. Aber Vorsicht: Zu lang darf er nicht ausfallen, um wirkungsvoll zu sein!

Und nicht überall ist er möglich. Dabei sollte er es sein: Denn unsere Arbeitswelt ist ein Füllhorn an Herausforderungen. Mehr Arbeit liegt auf weniger Schultern, Sicherheit für Arbeitnehmer klingt irgendwie totally 1970, und Karriere zu machen bedeutet nicht mehr automatisch: linearer Aufstieg.

Statt dessen ordnen viele ihre Lebenssituation häufiger neu. Das birgt neben arbeitsgesellschaftlichen Risiken aber auch individuelle Chancen. Loslassen überkommener Muster. Wachheit gegenüber dem Wandel. Permanentes Lernen. Wer das nicht zu Recht als Belastung, sondern auch als Bereicherung wahrnehmen kann, nimmt eine ganz andere mentale Grundstimmung mit in den Tag.

Je mehr die Verantwortung für die berufliche Situation bei uns liegt, desto mehr Gestaltungsmöglichkeiten haben wir. Und die Quote an Freiberuflern, Selbständigen oder jungen Unternehmern ist auf Rekordhöhe. Das zeigt schon jetzt sehr interessante Auswirkungen auf Unternehmen und deren Personalpolitik, Stichworte: Employer Branding, Fachkräftemangel, Brain Drain etc. Aber das ist hier nur sehr peripher das Thema.

Das das wäre: Unsere neue große Chance auf den Mittagsschlaf.

Augen zu und auftanken

Wann immer ich freiberuflich gearbeitet habe, habe ich diese kreative Erholungspause genossen und als Luxus empfunden. Die freie Einteilung der Arbeitszeit – ehrlich gesagt keine leichte Aufgabe – lässt oft genug die Möglichkeit, innezuhalten, die Augen zu schließen, abzuschalten, aufzutanken.

Im Angestelltendasein habe ich dieses Balance-Bonbon immer schmerzlich vermisst. Die Vorstellung, nach dem Kantinenlunch einmal kurz unter den Schreibtisch kriechen zu können und dort auf einer schicken Matte 15, 20 Minuten die innere Lampe auszuschalten – im Corporate-Kontext eine Utopie.

Mittagsschlaf? Mittagsschlaf! Als uns die Kindergärtnerin endlich nicht mehr dazu zwingen konnte, hatten wir uns doch eigentlich schon auf dem leuchtenden Pfad ins großartige Erwachsensein gefühlt. Mittagsschlaf ist nur was für Babys!

Wirklich? Die Schlafforschung schlägt da ganz andere Töne an. Wer permanent Vollgas gibt, ohne kreative Pausen (es heißt nicht ohne Grund: Rekreation …), tut mittel- bis langfristig weder sich und seiner Gesundheit noch seinem Job respektive Arbeitgeber einen Gefallen.

Mangel an Konzentration, Kreativität, Produktivität und Elan sind nur einige wenige der möglichen Folgen. Natürlich muss es nicht immer, für jeden und unbedingt ein Kurzschlaf sein. Auch ein Spaziergang ohne Handy oder andere Ablenkungen wirkt wie ein Energiebooster – und tut gleichzeitig den steifen Hüften und dem Rücken Gutes.

An schlechtem und / oder nicht ausreichend langen Schlaf leiden viele in unserer von äußeren Reizen und Ansprüchen zugestellten Welt: Im Vorfeld einer aktuellen Studie zum Thema zählten sich 3 von 10 Befragten in den USA dazu. Zu wenig oder schlechter Schlaf hat diverse Negativauswirkungen auf die Allgemeingesundheit. Es schwächt das Immunsystem und erhöht das Risiko chronischer Erkrankungen wie Fettsucht, Diabetes, Depression oder Bluthochdruck. Schon 30 Minuten Mittagsschlaf, so das Resümee der Forschungs-Gruppe, könne die hormonellen Auswirkungen einer schlafgestörten Nacht ausgleichen.

Wer, wann, warum, wo? Kernfragen zum Mittagsschlaf.

Aber auch ohne ungesunde Schlafmuster im Hintergrund schafft das kurze Päuschen Gutes. Weniger Erschöpfung, mehr Entspannung, bessere Aufmerksamkeit und gute Laune, eine höhere Leistungsfähigkeit inklusive besserer Reaktionszeiten und Erinnerungsfähigkeit sowie niedrigere Fehlerquoten und weniger Organisationsprobleme: Alles Pluspunkte für den Einzelnen ebenso wie für ein Team und/oder Unternehmen.

Allerdings ist die Mittagspause nicht Jedermanns Sache. Manche können nur in gewohnter Schlafumgebung die Augen schließen. Nein, das Büro zählt entgegen manch’ hinter der Hand Getuscheltem in der Regel nicht dazu … Manche haben tagsüber generell ein Einschlafproblem. Einige finden nach einem Mittagsschlaf nur zögerlich wieder in den Produktivitätsmodus. Und grundsätzlich KANN für einige wenige die Schlafpause mitten am Tag auch ungünstig für den Nachtschlaf sein, vor allem, wenn dieser ausgeprägt gestört ist. Nicht jeder tickt im selben inneren Chrono-Modus. Am besten beobachtet man selbst persönlich, ob einer dieser Stör-Faktoren für ihn oder sie zutrifft.

Wer sollte mittagsschlafen – und warum?

Unser Körper signalisiert Müdigkeit ziemlich eindeutig. Hat man also die Möglichkeit, dem Signal zu folgen, sich gemütlich auf ein Sofa oder Tagesbett zu kuscheln und einmal für 10 bis 30 Minuten maximal (länger sollte der Mittagsschlaf auf keinen Fall dauern, man fühlt sich danach zu erschlagen) die Augen zu schließen: Nur zu! Auch Vorschlafen zählt: Der Horror einer bevorstehenden Nachtschicht zum Beispiel schwindet, wenn man im Vorwege zeitlichen Raum für eine Siesta schaffen kann. Und weil man sich an den Rhythmus von Mittagsschläfen gewöhnen muss, tun Interessierte gut daran, diese Erholungs-Zäsuren erst einmal diszipliniert zu planen.

Die beste Zeit für eine Siesta machen uns die Spanier vor: nachmittags. So ungefähr gegen 14 bis 15 Uhr. Meist sinkt dann die Konzentration, vor allem, wenn das Blut vom Gehirn Richtung Magen fließt, um einen Lunch zu verdauen. Bis zur echten Nachtruhe ist noch ein halber Tag Arbeit zu erledigen – um 22 Uhr dürfte die Müdigkeit sich also wieder ordentlich ausgebreitet haben. Auch hier gilt: Jeder Mensch hat ganz eigene Schlaf-Wach-Zyklen, eine Regel für Alle kann es nicht geben.

In der besten aller Mittagsschlaf-Welten wartet natürlich ein leicht abgedunkelter, ruhiger und angenehmer Ort auf unsere erschöpfte Hülle. Die anschließend in ihrer ganz eigenen Zeit und ohne Druck zurück an den Schreibtisch oder zu ihren sonstigen Tagesaktivitäten findet.

Und wie findet ihr die Idee, den Mittagsschlaf zum Ritual zu machen?




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