Posing_Yogi

5 Dinge, die niemand braucht, um Yoga zu machen

Wer auf Pinterest oder Instagram mit „Yoga“ Bekanntschaft macht, kann das Ganze nur für eine Art Gummikörper-Size-Zero-Model-Wettbewerb halten. Germany’s Next Yoga Poser, demnächst als Abend-Show im Fernsehen – na gut, warum nicht?

Experimentierfreudige TV-Produzenten unter unseren Lesern dürfen mich ab sofort als Beraterin für diesen innovativen Prime-Time-Unterhaltungsknüller ansprechen. Ich schreibe euch das GNYP-Konzept (werde direkt mal Rechteschutz beantragen 😉 …), suche schillernde Kandidaten und entwickele Challenges.

Schließlich soll ich 2016 endlich berühmt werden, orakelte die Star-Astrologin Susan Miller. Und ganz ohne Instagram wird’s heutzutage sowieso nichts mit dem Weltruhm. Na, da nehme ich doch gern diesen lukrativen Umweg.

Nein, Spaß mal eben beiseite (liebe TV-Produzenten, lest nicht weiter, schreibt mich einfach direkt an). Wer die perfekt inszenierten Körper sehr fortgeschrittener oder flexibler Yogis und Yoginis auf den sozialen Bilder-Plattformen ansieht, selber noch nie ernsthaft auf einer Yogamatte stand und nur mit dem Gedanken spielt, das auch einmal zu versuchen (hat ja sooo viele gesundheitliche Vorteile), aber gewisse Hemmschwellen entwickelt hat angesichts dieser Über-Yogis – seid entwarnt: Atmet auf.

Das. Ist. Nicht. Yoga.

Jedenfalls zeigen diese Selbstdarsteller-Bilder mitnichten die ganze, viel schönere und buntere Wahrheit von Yoga.

Sie sind, zugegeben, ein Ausschnitt. Nichts, was es nicht schon vor 100 Jahren gab. Yoga als Unterhaltungs-Show für die Herrscher hatte in Indien eine gewisse Tradition. Und Hatha-Übungen wie freihändiger Kopfstand oder Beine hinterm Kopf schafft man mit viel Übungspraxis vielleicht, vielleicht eines fernen Tages. Manchen fällt es leichter, weil ihre genetische Codierung ihnen entgegen kommt (hyperflexible Gelenke, Schlangenmenschen etc) – nur: Wie sieht es um deren Gelenke-Gesundheit aus, wenn sie in der 2. Lebenshälfte stehen? Aua.

Andere üben vielleicht Jahrzehnte lang regelmäßig Yoga, sind sehr flexibel und geschmeidig trainiert – und werden das mit dem eingesprungenen Spagat dennoch nie hinbekommen: Gewisse individuelle Hüftstellungen erlauben solche Dehnungen nur gegen den Preis, mittelfristig über künstliche Gelenke nachzudenken.

Wie meine Tante zu sagen pflegt: Is‘ einfach so.

Ist auch einfach so, dass es ü-ber-haupt kein Ziel von Yoga ist, akrobatische Körperverrenkungen zur Schau zu stellen. Schon allein deshalb verstehen viele erfahrene Yoga-Übende diese Poser-Bilderflut als gänzlich „unyogisch“, wenn man dieses Wort denn benutzen möchte.

Aber diese komplexe Grundsatzdiskussion möge meinetwegen gern woanders stattfinden. Ich möchte hier nur eines: Menschen den Weg zu einem gesünderen, schmerzfreieren Körper und einem entspannteren Geist ebnen. Über Yoga.

Dafür ist zwar ein bisschen Engagement vonnöten. Aber diese 5 Dinge gehören definitiv nicht dazu und sollten niemanden von dieser Idee abhalten.

# 1: Ein sportlicher Körper

Jeder Körper in jedem Alter profitiert von den vielen, vielen Yogaübungen und -stilen. Dass man schweißtreibendes Power-Yoga vielleicht nicht unbedingt favorisiert, wenn man keine 20 mehr ist – alles gut. Der Erfinder Brian Kest sagte mir vor einigen Jahren nach einem Workshop, er selber sei nun jenseits der 40 und mache inzwischen ein wesentlich ruhigeres, schonenderes Yoga. Seine früheren dynamischen Übungen seien in seinem Alter nicht mehr das Richtige.

Ich kenne viele Lehrer (mich eingeschlossen), die erst spät zum Yoga kamen. Und längst nicht alle sind schlank und durchtrainiert wie Gwyneth Paltrow. Na und? Yoga hilft jedem, bei so vielen Dingen – Unruhe, Stress, Rückenschmerzen, schlechter Laune –, dass Knackpo und Sixpack echt drittrangig sind. Nice to have, sicher. Aber absolut irrelevant. Wir sind hier nicht in der Turnstunde, und Zensuren gibt auch niemand.

# 2: Das angesagte Yoga-Equipment

Klasse finde ich immer die Leute, die im trendy Lululemon-Klamöttchen und mit stylischer Luxusyogamatte im Studio auftauchen, dort aber weder körperlich noch geistig „bei der Sache“ sind. Sondern ständig nur nach links und rechts schielen, um sich mit anderen zu vergleichen.

Ähnlich kenne ich das von meinem Sohn, der skateboardet. In der Szene sind die Jungs mit den abgeschrabbeltsten Sneakers und den verkratzten Boards die Cracks. Hippe Wohlstandkinder, denen Papi ein 250-€-Board und schicke Kult-Vans spendiert hat, stehen in der Regel neben den Halfpipes und fummeln an ihren Smartphones herum.

Was ihr dagegen schon braucht: Klamotten, die nicht drücken, nicht rutschen (blöd im herabschauenden Hund), in denen ihr euch wohlfühlt. Sauerstoff sollte auch vorhanden sein … Und irgendeine Matte, auf der eure Hände nicht rutschen und eure Gelenke etwas abfedernde Unterlage haben.

# 3: Übungserfahrung

Menschen die sagen, sie könnten kein Yoga machen, weil sie ja zu unbeweglich seien, sind genau die Menschen, für die Yoga super ist. Denn mit Yoga werden sie endlich beweglich.

Auf der Matte übt jeder in seinem eigenen Rahmen; die Beweglichen und Sportlichen gehen nur tiefer und länger in die Positionen. Der Körper ist immer der wichtigere Lehrer (nicht der Mensch, der euch Anweisungen gibt. Denn der fühlt nicht, was in euren Körpern vielleicht weh tut oder passiert)!

So lange ihr nach euren individuellen Möglichkeiten und mit Spaß mitmacht, statt ins für uns Westler so gut eingeübte Konkurrenzdenken zu verfallen (ich will können, was die da kann), seid ihr auf der sicheren Seite. Dann macht ihr Yoga, spürt euch, kommt in Kontakt. Bootcamp-Ansagen – „macht mehr, haltet länger, da geht noch was“ – könnt ihr jederzeit einfach ignorieren.

# 4: Den „heiligen“ Meditationsraum

Sicher, direkt neben dem Bauarbeiter-Gerüst haben nur äußert Erfahrene eine Chance auf meditative Versenkung. Aber ihr braucht weder eine fancy Mala noch den qualmenden Bio-Räucherstab vor der Halbgott-Statue aus dem „Depot“-Sale. Auch die „richtige“ Musik ist wurscht. All das lenkt ab. Und genau darauf wolltet ihr vielleicht ein, zwei Stunden lang verzichten.

Einatmen – ausatmen. Yogaübungen könnt ihr im Schlafanzug und auf einem Handtuch auf dem Teppich machen. Auf dem Rasen. Im Hotel. Oder sogar im Bett, wie ich morgens gern. Tür zu, Augen zu, los geht’s.

# 5: Einen Guru

Guru ist nur ein anderes Wort für Lehrer. Und den sollte schon jede/r Yoga-Anfänger/in haben. Auch als sehr Fortgeschrittene habe ich meine Lehrerin! Aber falls ihr an jemanden geratet, der sich selbst als Guru versteht und euch sein Ego als Erleuchtung verkauft: Lauft! Findet jemanden, der euch zeigt, wie ihr selbst euer Lehrer werdet. Der euch beibringt, wie ihr die Signale eures Körpers deuten lernt. Mehr muss ein Lehrer nicht sein oder tun.

 

 



Eure Meinung? Ich freue mich über Kommentare

Mehr von diesem Autor

Möchtest Du uns lieben …

… und ehren, in guten wie in besseren Tagen?

Sag Ja zum Ginger Newsletter!

(natürlich geben wir deine Daten niemals an Dritte weiter)
Diese Einladung bitte nicht mehr anzeigen.
0
0

Warning: Parameter 1 to W3_Plugin_TotalCache::ob_callback() expected to be a reference, value given in /homepages/33/d264859462/htdocs/gingermag.de/wp-includes/functions.php on line 3327